Vatileaks ist auch eine Mediengeschichte

Die Frage aller Fragen, die im Augenblick im Zusammenhang mit dem Vatikan gestellt wird, ist die nach einem Machtkampf um den Heiligen Stuhl. Vertrauliche Dokumente, die veröffentlicht werden, wenig Information zu den Hintermännern und skandalträchtige Themen: Das ruft nach mehr.

Wenn man die Berichterstattung des Wochenendes hier in Italien als Maßstab nimmt, dann ist tatsächlich ein Machtkampf im Gange. La Repubblica, eine der großen Zeitungen, hatte zwei Briefe mit der Unterschrift des Papstsekretärs Georg Gänswein abgedruckt, aber den Inhalt weiß gelassen. Dazu gab es die Ankündigung (vorgeblich des Maulwurfes selber), dass er den Inhalt nicht weitergeben wolle, weil es den Papst beschädigen würde, aber wenn nicht dies oder das bald geschehen würde (Entlassungen bestimmter Personen, Transparenz im Vatikan, was immer das heißen soll), dann sähe er sich gezwungen, die ganzen Texte weiterzugeben.

Das abzudrucken ist kein Journalismus mehr, das ist Erpressung, das ist Teil eines Machtspiels, das um den Vatikan herum tobt. Natürlich ist es zu einfach, auf „die Medien“ zu zeigen und dort Schuldige zu suchen um vom Vertrauensbruch im Vatikan abzulenken. Genauso einfach ist es aber, sich jetzt zurück zu lehnen und zu sagen „Wir drucken das nur ab, wir machen die Nachrichten nicht“.

Spätestens mit diesem Wochenende wird klar, dass die Medienseite eben auch zur Geschichte um Vatileaks dazu gehört. Die Strippenzieher müssen gar nicht einmal im Vatikan selber sitzen.

Wir hier in der Redaktion als Journalisten wehren uns gegen diese Art, zu berichten. Das überschreitet eine journalistische Linie, auf diese Weise Druck auszuüben ist unprofessionell. Und es hilft überhaupt nicht bei einer informierten Meinungsbildung.
 

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3 Antworten auf Vatileaks ist auch eine Mediengeschichte

  1. Teresa_von_A. sagt:

    Lieber Herr Pater Hagenkord, man ist halt in Italien, wo die Uhren offensichtlich ganz anders ticken. :-)

  2. Lichter sagt:

    Aber es SCHEINT doch eine klare Linie, ein roter Faden da zu sein: Der Versuch, einer “Demontage” von oben, einen Keil OBEN anzusetzen: Erst der Kammerdiener, jetzt wohl Georg Gänswein – also doch wohl ganz bewusst: Ein Keil zwischen den Papst und seine engsten Mitarbeiter. Und wenn es so weiter geht, kommt die ganze Kardinalsspitze wohl als nächtes an die Reihe.
    PFUI !
    Wenns denn WIRKLICH so wäre, dass da GANZ OBEN gegen den Papst intrigiert würde – es wäre DIE Katastrophe. Wenn nicht, haben “gewisse” Kreise zumindest einige Ziele erreicht: Unsicherheit an der Vatikanspitze, Häme der Kirchengegner oder Kritiker, und zumindest Kopfschütteln der einfachen Katholiken, die die (Vatikan-)Welt nicht mehr verstehen.
    Solange Journalisten diese Spielchen mitmachen, besteht wohl keine Chance, Journalisten, die sich bewusst oder unbewusst vor diesen Karren einiger spannen lassen, die welche Ziele auch immer verfolgen.
    Seriöser Journalismus ist weiß-Gott etwas anderes. Das Schlimme ist, dass hier wohl wieder tatenlos zugesehen werden muss und der Vatikan, ein Pater Lombardi wieder nur RE-agieren statt agieren kann.
    Wir haben doch so viele große Probleme in der Welt, wo “diese Power” reinzulegen dringend notwendig wäre. Und da fällt mir gerade wieder vom Katholikentag Mannheim die Aussage von Bischof Komarica ein: “Ihr vergesst uns …”
    Anscheinend haben wir soooo viel Wichtigeres zu tun: Selbst-Demontage

    Sorry: Es ist nur traurig, beschämend, unnötig, unwürdig ….

  3. Teresa_von_A. sagt:

    aber da lernt man doch den deutschen journalismus schätzen. oder?der ist doch nicht ganz so abartig. für herrn gänswein leg ich sämtliche hände ins feuer. vielleicht müssen auch nur die deutschen vatikaner dran glauben?

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