Vorsicht, Störung!

Geburt Christi, Ikone aus dem 18. Jh

Geburt Christi, Ikone aus dem 18. Jh

Noch bevor er da war, störte er. Nur die ganz unten und die ganz oben, Hirten und Engel, sahen ihn wie er war, alle anderen sahen ihn als die Störung. Die Geschichte seines Lebens.

Die Macht wollte alles ordnen, zählen. Nicht nur der Steuer wegen: wer ordnet, bestimmt. Diesem unruhigen Volk im Osten mit ihrem Gott der Freiheit, der so intolerant war und keine Götter neben sich duldete, diesem Volk war nur mit strenger Ordnung beizukommen. Das dachte die Macht und lag falsch, fand das aber erst viele Jahre später heraus. Als er in die Welt kam, war man noch dabei, zu ordnen. Hier in Rom kann man es sehen, am „Altar“ des Friedensherrschers Augustus. Sein Frieden heißt „alle anderen sind tot“. Schön aufgeschrieben und als Figuren in Stein gemeißelt. Alles geordnet.

Die Religion war auch gestört. Nicht erst das Predigen, später, schon die Priester damals, während seiner Geburt, mussten erst vom König befragt werden, um überhaupt auf die Idee zu kommen, dass da was passiert. Die Beobachter der Religion, des im Menschlichen gefangen Bleibenden, des Moralischen und Kultischen, sahen nicht, während die Beobachter des kosmischen Geschehens kamen, um zu suchen.

Der König war gestört. In seiner Macht, schon, aber viel mehr noch darin, dass er ja zuständig war dafür, das alles glatt lief. Das unruhige Volk unten und die Macht über ihm mussten ruhig gehalten werden, da half nur die harte Hand. Und nun das: da kommt ein anderer. Unruhe, Streit, Revolte, alles das lag wieder in der Luft.

Die Abläufe waren gestört durch sein Kommen, die Herberge hatte keinen Platz für ihn. Seitdem versuchen wir, das alles in Ruhe zu verwandeln, was als Unruhe in die Welt kam. Wir bauen niedliche Krippen, anstatt das Raue und am Rande sich abspielende zu zeigen. Lange wallende Haare, geneigte Köpfe, schöne Musik. „Last Christmas“ klingt über einem nachgebauten italienischen Dorfplatz, in den seine Geburt widerspruchslos eingebaut ist. Das hakt nicht mehr. Das stört nicht mehr.

Noch bevor er da war, störte er. Und mit seinem Kommen nahm die Störung noch zu. Dem Kosmos ist das ein Halleluja wert. Und wir? Wir sollen uns freuen. Das geht aber nur, wenn wir die Störung erkennen. Wenn wir sie in uns aufnehmen, wie der Stall, der seinem Kommen als Ort dient. Sein Kommen verändert die Welt, den Kosmos, die Macht, den König, die Moral, die Religion, die Ordnung der Dinge.

Man wird versuchen, die Störung wegzunehmen. Macht und Religion und König und Moral werden immer und immer wieder versuchen, alles schön geregelt zu machen. Die Störung, die er bringt, zu regulieren. Schließlich ist sie verträglicher, wenn man sie in Regeln fasst, nicht wahr! Dann überfordert sie nicht. Dann ist sie klein und eingefasst, auch wenn man dazu halt eine mächtige Macht und eine kleine Moral und so weiter braucht. Dann haben wir es geschafft, dann ist die Störung keine Störung mehr, dann ist alles wie vorher.

Dabei ist die einzige Weise, die Störung, zu sehen, die der Bibel: Kommen und Anbeten. Kommen und Anbeten, nichts weiter.

 

Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und den Frieden, den der Herr in die Welt bringt.

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5 Kommentare zu Vorsicht, Störung!

  1. Teresa_von_A. sagt:

    Also ein rechter Störenfriedhofsfried.Ihnen auch ein frohes Fest, mit Störung :-). Der Text gefällt mir sehr gut. Ein gutes Mittel, sich Störungen vom Hals zu halten, sind Strukturen.

    • Guardianus sagt:

      ….vielleicht haben Sie ja garnicht so Unrecht. Aber wenn sich der Mensch Strukturen formt und aufbaut (z.B. Institutionen…), wie sollte er dann auch nicht jede Art von Störungen sich vom Halse halten wollen, selbst wenn es ein „Aufstören“, ein Aufwecken eben seitens Jesu, Seines Geistes, wäre, der sich in keine Struktur hineinzwängen lässt.. ? ….bzw. über diese hinauswächst und somit alles sprengt….? Stört Jesus deshalb auch heute (noch) wie damals? ….weil Er menschliche Strukturen und Denkweisen aufbricht…hinein in die Dimension des Unendlichen wie auch des für uns Unmöglichen?…

  2. Teresa_von_A. sagt:

    Grüß Gott, Guardianus, Strukturen helfen zum Überleben. Mehr dürfen sie nicht. Sage ich. Man kann, wenn man gelernt hat, flexibel zu sein, mehr innere Stärke aufbauen als andere, die von den Baugerüsten um sie herum leben. Jesus stört bis heute..das wurde in Phoenix gesagt,,gestern oder wann gab es einen langen Tag zum Thema Kirche und Christen..Jesus verstört immer wieder, wenn man die Bibel liest..aber die Heiligen verstören mich auch und der Papst beeindruckt mich. Der kümmert sich nicht um Baugerüste und ich habe oft Amgst..um ihn.

  3. chrisma sagt:

    Ja es ist ganz einfach Pater Hagenkord, anbeten und nochmals anbeten, das stört. Stören wir weiter. Danke für Ihre guten Wünsche zum Weihnachtsfest, die ich auf diesem Wege an Sie zurückgebe. Danke auch für die spirituelle Begleitung über das Jahr. Ihre Beiträge in diesem Block waren mir immer Anregung zum weiterdenken, andersdenken als in den gewohnten Bahnen und so freue ich mich auf eine weitere Zeit im Blog. Gesengte Weihnachten.

  4. Silvia Brückner sagt:

    Um den Gedanken weiterzuspinnen:

    Auch unser Papst stört immer wieder. erst gestern habe ich nach dem Gottesdienst gehört, dass der Papst „ständig“ über die Verfolgten, die Armen und Ausgegrenzten rede und die Menschen dann natürlich irgendwann weghören würden.

    Dass wir doch in der Weihnachtszeit sogar ein Benefizkonzert haben, dessen Gewinn unserem Arbeitskreis Asyl zugute komme, damit müsse es dann aber wirklich mal gut sein.

    Ich sagte dann, wir haben ein Wohlstandschristentum. Eine Dame hat empört nach Luft geschnappt, eine andere hat heftig protestiert, und ein wirklich netter älterer Herr hat grußlos das Weite gesucht.

    Also, wenn ich in ein Konzert gehe, tue ich das in erster Linie zu meinem eigenen Vergnügen. Wenn der Erlös dann auch noch einem guten Zweck zugute kommt, umso besser. Aber dass es damit dann aber auch mal gut sein muss, das kann ich beim besten Willen so nicht sehen.

    Übrigens wusste unser leitender Pfarrer nicht mal, dass der gestrige Stephanustag von der DBK als Gebetstag für die verfolgten Christen in Syrien und im Irak angesetzt war.

    Wahrscheinlich hat es die DBK versäumt, die Gemeinden rechtzeitig darüber zu informieren.

    In mir brodelt es heute noch ganz gewaltig!

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