„Aber das Wort kann man doch nicht lieben!“

Kennen Sie den Film ‚Breaking the Waves’? Lars von Trier, 1996? Es geht um Schuld, um Opfer, um Sexualität, um all die Themen, die von Trier immer wieder in seinen Filmen behandelt. Und es ist ein theologischer Film. Die Hauptperson Bess wird darin von ihrer calvinistischen Gemeinde exkommuniziert. In einer Versammlung der Gemeinde – bei der nur Männer das Wort führen dürfen – wird ihr das Wort Gottes vorgehalten, worauf sie ruft: „Aber das Wort kann man nicht lieben. Man kann nur einen Menschen lieben.”

Eine aufgeschlagene Bibel aus Taiwan, gedruckt 1933

Auch die Bibel: Chinesich.

Diese Formulierung ist mir hängen geblieben. Sie ist ja auch einprägsam und passt wunderbar zum Satz: Die Wahrheit des Christentums ist keine Sammlung von Sätzen, sondern eine Person: Jesus Christus. Aber da wollte ich gar nicht hin. Ich will etwas anderes sagen.

Immer wieder – auch und gerade in den Kommentaren hier im Blog – wird auf das Wort Gottes Bezug genommen. Da steht dies drin und das und danach müssen wir uns richten. Felsenfest und klar seien die Aussagen, wir seien nicht Herren über das Wort Gottes und so weiter. Und das ist auch alles richtig.

Bess’ Ausruf lässt mich aber noch mal nachschlagen: Wie gehen wir eigentlich mit dem Wort Gottes um?

Schauen wir einfach mal nach. Zum Beispiel in eine der wichtigsten Enzykliken zum Thema, „Divino Afflante Spiritu“, 1943 von Papst Pius XII. veröffentlicht. Der Umgang mit der Heiligen Schrift war in der katholischen Kirche ja nicht immer einfach. Vor allem das Aufkommen der Textkritik als Methode hatte zu Streit geführt, Pius XII. beendet diesen Streit zu Gunsten der historisch-kritischen Methode, wenn sie denn richtig angewandt wird. Das macht diese Enzyklika so wichtig und für heute noch – wo gerne einmal mit dem Wort Gottes wewedelt wird, ohne nachzudenken – so wichtig.

 

Zwei Straßengräben

 

Die wichtigste Aussage der Enzyklika: Was macht die Bibel zur Heiligen Schrift? Die Inspiration durch den Heiligen Geist. Das klingt erst einmal selbstverständlich, ist es natürlich auch, aber daraus folgen ja einige Dinge, die es zu beachten gilt.

Es hat vor allem Folgen für diejenigen, die sich mit der Schrift beschäftigen.

Was soll der Bibelwissenschaftler und jeder, der sich um die richtige Lektüre der Schrift tun? Versehen mit der Kenntnis der biblischen Sprachen und dem Instrument der Textkritik „die Auffindung und Erklärung des wahren Sinnes der heiligen Bücher“. Dabei gilt es, zwei Straßengräben zu vermeiden. Der eine ist die Beschränkung auf den „Literalsinn“, wie der Papst es nannte, also das Festhalten an der Wortwörtlichkeit, ohne Verstehen zu suchen. Dagegen hilft das Lernen der Sprachen der Bibel, dagegen hilft auch die Einsicht, dass wir ja gar keinen Urtext der Schrift haben, nur verschiedene Textzeugen, die teilweise Unterschiedliches, manchmal auch sich widersprechendes berichten. Es ist also an den Exegeten, nach bestem Wissen und Gewissen immer wieder die plausibelste Version des Textes zu erarbeiten. Allein das hilft schon gegen einen zu schlicht verstandenen Literalsinn.

Auch gesteht die Enzyklika zu, dass wir in der Schrift historische oder naturwissenschaftliche Aussagen finden, die wir heute nach unseren Einsichten nicht teilen können. Das sagt aber nichts über die Gültigkeit der Schrift aus, sondern weist in die Richtung, wie der Text zu verstehen ist. Das ist also der erste Straßengraben: Der falsch verstandene Literalsinn.

Der andere Straßengraben ist das Hineintragen von Wissenschaften in die Bibel, also das Unterwerfen der Schrift unter wissenschaftliche Methoden und Einsichten, die nichts mit dem Heiligen Geist zu tun haben. Ganz schlicht ausgedrückt: Wenn man die Bibel nur als ein historisches Dokument betrachtet und göttliche Inspiration außen vor lässt, dann kommt man nicht dahinter, wovon das Buch spricht.

Pius XII. nennt das die theologische Interpretation der Bibel: Gemeinsam mit Tradition der Kirche und Lehre, unter Zuhilfenahme aller zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Mittel.

Nun mag das Jahr 1943 als Referenzpunkt zu weit in der Vergangenheit liegen, uns stellen sich ja vielleicht ganz andere Fragen. Greifen wir also noch zu einem anderen Dokument, aus fast derselben Quelle: Die Päpstliche Bibelkommission hat in diesem Jahr, im Februar, ein Dokument heraus gegeben: „Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift“ (auf Deutsch zu beziehen über die Bischofskonferenz). 2014: aktueller geht es kaum.

Hier geht es um das Verhältnis ‚menschlicher Autor – Gott’, es geht um die schwierigen Probleme wie die Gewalt in der Bibel oder die soziale Stellung der Frau, es geht um Propheten und Gesetze und die Perspektive des Christen auf die Bücher des Alten Testamentes. Ich mag das hier nicht ausführen, sondern ermuntere zur Selbstlektüre. Aber soviel darf ich verraten: Es ist nicht so einfach, das ‚Wort Gottes’ als solches ohne nachzudenken und zu reflektieren ins Feld zu führen. Das Wort muss im gleichen Sinn verstanden werden, wie es gesprochen wurde, wird immer wieder das Zweite Vatikanische Konzil (Dei Verbum) zitiert. Es geht also um Glauben, Vertrauen, Liebe, Dankbarkeit als Verstehenskategorien. Die Heilige Schrift eignet sich aber nicht dazu, über andere Menschen zu Gericht zu sitzen.

Das Wort kann man doch nicht lieben, sagt Bess. Die Bücher, die wir in der Hand haben, haben „echte Verfasser“, sie sind nicht nach göttlichem Diktat geschrieben (Dei Verbum 11). Die Theologie unterscheidet auch zwischen „Inspiration“ und „Offenbarung“, noch einmal: es ist nicht ganz so einfach, die Schrift ins Feld zu führen. Um eine Schriftstelle selber zu zitieren: „Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden; denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet.“ (2 Petrus 1:20-21)

Dann man also das Wort doch lieben? Es ist der Weg zu Gott. Und Gottes Weg zu uns. Den Rest mag jede und jeder für sich selbst entscheiden.

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17 Kommentare zu „Aber das Wort kann man doch nicht lieben!“

  1. Teresa_von_A. sagt:

    Wenn man die Bibel AT und NT als Glaubenszeugnisse und Glaubensgeschichten sieht, hat man überhaupt keine Probleme mit Historischem. Ich habe als Kind die Bibel immer wieder rauf und runter gelesen und hatte den Eindruck, dass Gott anders ist als das, was in der Kirche sonntags gepredigt wurde.Wer die Bibel mit dem CIC verwechselt, zerbricht sich das Gehirn.Dann entdeckt man auf einmal Widersprüche und historisch Falsches..wieviele Widersprüche hat denn unser eigenes Leben?Wie oft deuten wir Gottes Wirken falsch? Dennoch findet unser Leben statt und ist wahr. Mich faszinieren die Texte bis heute.Das Wort lieben? Den Geist hinter dem Wort lieben!

  2. Muskat sagt:

    Der Ursprung, die Quelle der Liebe ist Gott, aber damit kann “Bess” nichts anfangen, weil sie Liebe auf Begehren reduziert, auf das, was sie vor Augen hat. Die Männer hingegen sind gnostische Irrläufer, die den Geist lieben, aber die Materie verachten bzw. als böse einstufen.
    Wer in diesem Dualismus gefangen ist, ob so oder so, hat wirklich keine Chance, die Schrift zu erfassen. Die Frage nach der richtigen Lesart der Bibel ist natürlich immer diskussionswürdig, wobei auch gesagt werden muss, dass gerade die Theologen sich um die Perikopenfledderei und ein geradezu schamloses Sezieren und Zerstückeln selbst von Schriftlesungstexten besonders “verdient” gemacht haben.

  3. Teresa_von_A. sagt:

    Man sieht nur mit dem Herzen gut..das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Wenn man sieht, wie sich das Volk Israel durchgekämpft hat mit seinem Gott, immer umgeben von Andersgläubigen, mit denen sie sich auseinandersetzen mußten, dann gibt es für uns heute keinen Grund, das AT abzutun, oder im übertragenen Sinne zu deuten, oder Stellen auszumerzen. Man betrachte seinen eigenen Glaubensweg. Entwicklung ist das Stichwort, da kann alles bleiben, wie es ist, oder war. Im NT hat man sich auch entwickelt. Das Johannesevangelium ist sehr spät entstanden und hatte andere Interessen als die Zeit, in der man noch auf das baldige Kommen des Reiches Gottes gehofft hat.Die Bibel nicht unter dem Standpunkt du sollst und du darfst nicht, sonst..betrachten.Sie ist zu schade.Bibel als Inspiration für mein eigenes Leben.Papst Benedikt ist wunderbar mit den Psalmen umgegangen.

  4. Silvia Brückner sagt:

    Lieber Pater Hagenkord, da sind Sie zur zeit ein einsamer Rufer in der Wüste gegen die versammelten ( fundamentalistischen) Wutkatholiken im Internet, die gegen die Familiensynode und den Papst Sturm laufen.

    Sie werfen dem Papst und den Bischöfen vor, die Kirche zerstören zu wollen ohne zu erkennen, dass es nur ihr Bild von Kirche ist, das sie in Gefahr sehen und das fast nichts mit der real existierenden Kirche gemein hat.

    Die real existierende Kirche wird hingegen als eine “falsche Kirche” wahrgenommen, die baldmöglichst beseitigt gehört damit man endlich ungestört von allen Problemen der Welt im schöngeistigen Elfenbeinturm verweilen kann.

    Sie haben Mut, P. Hagenkord, in diesem aufgeheizten Klima über das richtige Verständnis der Bibel zu schreiben.

  5. Teresa_von_A. sagt:

    Kirche als Institution, die erlaubt und verbietet, damit die Basis nicht mehr zu denken braucht und vor allen Dingen für nichts die Verantwortung hat. Realität ist nicht nur Priestermangel, sondern auch Bischofsmangel. Ihr lieben Leut, w e r wird denn in Zukunft das Denken übernehmen? In unserer erztraditionalistischen Gemeinde wurde auch gleich von der Kanzel aus moralinsauer der Weltuntergang beschworen. Sicher ist es für die Unselbständigen der Weltuntergang. Man sieht, nicht nur die Reformer gehen ihren papstfreien Weg, auch die Traditionalisten und d as amüsiert mich irgendwie. Besser kann man die Kirchenstrukturen nicht aufheben als so. Die Basis mit ihrem egomanischen Weg und das Amt mit seinem ewig fehlenden Durchblick,Nun kommt mal ein Papst, der zwischen Dogma und Lehrmeinung unterscheiden kann, der die Verantwortung und das Denken auf alle verteilt und schon ist es der Höllenpapst.Benedikt hat ebenso immer wieder gesagt, die Laien brauchen nicht nur mehr Aufgaben,sondern auch mehr Verantwortung. Was immer er damit gemeint hat, ich kann es mir denken.Die Kinder der Welt sind auf keinen Fall klüger.Eine Glaubenskrise hat die Kirche, seit der Konstantinischen Wende.Man ruht sich auf geistgewirkt aus und Geist ist lange weg.

  6. KRP sagt:

    Wenn jeder und auch wirklich jeder Christ die Bibel mit nachdenken lesen wuerde und dabei bei sich mit dem umsetzen anfangen wuerde und nicht immer auf die anderen oder den naechsten warten wuerde dann braeuchte man keine Vordenker. Dazu hat gott uns eigentlich auch unseren Verstand gegeben.

  7. Michele Scosso sagt:

    @KRP

    Wenn jeder und auch wirklich jeder Christ die Bibel mit nachdenken lesen wuerde und dabei bei sich mit dem umsetzen anfangen wuerde und nicht immer auf die anderen oder den naechsten warten wuerde dann braeuchte man keine Vordenker. Dazu hat gott uns eigentlich auch unseren Verstand gegeben.

    Verzeihen Sie, aber das sehe ich ganz anders…Luther hatte wohl doch eine völlig andere Auffassung der Bibel als die Kirche…und die tausenden Sekten fassen die Bibel auch ganz anders auf.

    Wenn Ihr Einwand stimmen würde, bräuchte es überhaupt keine Kirche mehr. Das Konzil sagt doch ganz klar, es gibt nur eine wahre Religion, die katholische. Die anderen Religionen und Gemeinschaften haben nur einen Teil, einen Funken der Wahrheit. Damit wird im Umkehrschluss doch ausgedrückt: Sie befinden sich im Irrtum.

    Ansonsten finde ich den Artikel doch ganz interessant. Danke Father Hagenkord. Einen Einwand habe ich jedoch

    “Es geht also um Glauben, Vertrauen, Liebe, Dankbarkeit als Verstehenskategorien. Die Heilige Schrift eignet sich aber nicht dazu, über andere Menschen zu Gericht zu sitzen.”

    Es geht auch und vor allem um die Rettung der Seelen vor der ewigen Verdammnis. Die zehn Gebote sind doch auch nicht so schwer zu verstehen. Infofern kann man sehr wohl Handlungen anderer (Mord) beurteilen. Den inneren Menschen, seine Seele, kann allerdings nur Gott richten. Dem stimme ich zu.

    Have a nice day

    • Peter Lehmann sagt:

      Da haben wir es wieder. Die einzig wahre Religion ist die katholische. Nur haben Evangelen, Moslems , Juden, Buddhisten oder andere vielleicht eine andere Vorstellung von einzig wahrem Glauben. Also auf in die Mission und nieder mit den Irrgläubigen.
      So wird das alles nichts. Im Grunde geht es doch immer (bei allen Religionen) um die Vemittlung möglichst allgemeingültiger, gemeinsamer Werte um eine vernünftiges Miteinander zu ermöglichen.
      Kann den Niemand den Ball etwas flacher halten und den Anderen akzeptieren ?
      Den einzig wahren Glauben kennt nur einer. Und hat dieser Eine Ihnen, Michele Scosso, persönlich gesagt, das die katholische Religion die einzig Wahre ist ?

      • KRP sagt:

        Danke Peter Lehmann für Ihre Unterstützung was Sie schreiben kann ich nur Unterstreichen: Auf in die Mission und nieder mit allen den Irrlehren.

      • Lieber
        @Peter Lehmann
        @KRP (werde mich bessern und sie nicht mehr zitieren;-))

        Wer mir das sagt? Das Lehramt der Kirche seit 2000 Jahren bis auf Vatikan II. Den “Ball flach halten” muss ich dabei gar nicht.

        Das sollten Sie den Päpsten und dem Lehramt der Kirche sagen.
        Die katholische Kirche ist die einzige Braut Christi, der mystische Leib Christi. Ihr Haupt ist Christus selbst.

        Weisen Sie mir anhand des kirchlichen Lehramtes (Dogmen, ordentliches und ausserordentliches Lehramt das Gegenteil nach)

        Luther hat die heilige Schrift verkürzt, Schriften (Makkabäer und so weiter hinausgeschmissen, 5 Sakramente geleugnet und so weiter.)

        Sie stellen das Lehramt der Kirche in Frage. Ich nicht. Sie müssen den Gegenbeweis bringen, dass ich falsch liege.

        Und natürlich sind zum Beispiel 99% Wahrheit nur ein Anteil der Wahrheit. Damit falsch. Damit Irrtum.

        UNITATIS REDINTEGRATIO Vatikan II

        ÜBER DEN ÖKUMENISMUS

        Denn nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben. Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören.”

        Von den vorkonziliärern Papsten und Konzilien ganz zu schweigen…

        Verstehe nicht, warum ich hier angegriffen werde.

        Have a nice Weekend

        • KRP sagt:

          Also ich für mein Teil habe niemanden angegriffen nur geschrieben das ich nicht ihrer Meinung bin. Angriff ist für mich was Sie machen nämlich andere Glaubensrichtungen als falsch hinstellen und nur die RKK ist die einzig wahre und das seht nirgends. Ihre nochmaligen Äußerungen über Luther ist für mich nur ein nachsagen von gewissen Gruppen und stellt eine Ausgrenzung dar. Ich stelle nicht das Lehramt in Frage sondern bin nur der Meinung das man auch über eine Lehrmeinung nachdenken kann genauso wie über die Dogmas was auch Luther getan hat. Nicht mehr und nicht weniger. Nichts wir in Frage gestellt nur darüber nachgedacht und diskutiert. Ich verweise auch nochmals auf die nachfolgenden Blogbeiträge von P. Hagenkord.

        • KRP sagt:

          Zu Ihrer verkürzten Hl. Schrift möchte ich noch sagen vielleicht wurde es nicht übernommen weil es nicht direkt nachprüfbar ist oder war. Zum anderen dürfte man froh sein das Luther sich erst mal als erster an eine Übersetzung herangewagt hat um allen die Bibel in eine für alle verständliche Sprache zu übersetzen. Er hat es getan mit den Mitteln die ihm zu der damaligen Zeit zur Verfügung standen. In der Zwischenzeit sind längst mehr und sicher auch noch bessere Übersetzungen entstanden.

          • Michele Scosso sagt:

            Lieber KRP

            Father Hagenkord macht sich wirklich viel Mühe. Und es gebührt Ihm viel Dank dafür. Auch ich finde die Diskussionen spannend und anregend. Ich gebe Ihnen in einem vollkommen Recht: Luther muss und sollte wesentlich differenzierter betrachtet werden, als ich es oben getan habe.

            Im Übrigen habe ich nichts irgendwelchen “Gruppen” nachgesprochen. Ich kann zum Beispiel mit “Ecclesia Dei-Gruppen” wenig anfangen. Und ja, Luther war hochbegabt und hat sich der Übersetzung der Bibel angenommen. Luther war eine hochkomplexe, auch widersprüchliche Persönlichkeit. Er berief sich auf die “Kircheväter”, lehnte aber gleichzeitig zum Beispiel “Ihre” Auswahl der kanonisierten Schriften des alten und neuen Testamentes ab. Nun waren jedoch jene Kirchenväter, Päpste und Kirchenlehrer, die ja zeitlich der Epoche der Apostel wesentlich näher waren, diejenigen, die festlegten, welche Schriften kanonisiert werden sollten.

            Luther kam 1200 Jahre später. Aber das soll kein persönliches liebloses “Luther-Bashing” werden. Möge Gott seiner Seele gnädig sein. Und ich hoffe, Sie verstehen was ich meine. Ich und Sie sind nicht dazu berufen, über seine Seele zu urteilen. Übrigens gilt Gleiches auch für Nietzsche, der manchen “Tratuffes” die Maske vom Gesicht riss. Die “Tartuffes”, die gibt es auf allen Seiten, nicht nur in der Kirche. Deshalb ist Nachdenken gut, bei sich selbst angefangen.

            Nachdenken ist wichtig. Stimmt. Aber am Selbstverständnis der katholischen Kirche hat sich nichts geändert. Der heilige Papst Johannes XXIII. hatte das ebenfalls zum Ausdruck gebracht. Die Lehre der Kirche ist bekannt. Es geht auch heute noch um den Umgang mit der “Welt” und anderen Glaubensgemeinschaften. Selbst beim umstrittenen und hart umkämpften Dekret Dignitatis humanae, wird nochmals vorweg gesagt und betont:

            “..LÄSST sie die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der WAHREN RELIGION und der EINZIGEN Kirche Christi UNANGETASTET.”

            Wie würden Sie diesen Satz interpretieren? Das Selbstverständnis der Kirche als einzig wahre Religion und einzige Kirche bleibt weiter bestehen. Ich sage bezüglich der Kirche nur, was Uns das Lehramt (ordentlich, ausserordentlich, Dogmen, heilige Schrift) vorgibt. Das “plappere” ich nach ja, denn den Glauben habe ich von der Kirche erhalten (wie übrigens Luther auch;-))

            Wie wir mit Andersgläubigen umgehen, ich glaube darin sind wir Uns alle weitgehend einig: In Liebe und Barmherzigkeit im persönlichen Umgang. Aber das bedeutet nicht, dass wir Uns nicht bewusst sein sollten, welcher Kirche und welcher Religion wir angehören.

            Der einzig wahren Religion. Das klingt provokativ. Ich weiss. Aber das “Ich bin er Weg, die Wahrheit und das Leben” kling auch provikativ, vor allem wenn man bedenkt in welchem Umfeld letzteres gesprochen wurde…

            Christus erhebt ABSOLUTHEITSANSPRUCH.

            Er ist der Messias und Gottmensch.

            Daran glaube ich. Und ich glaube an die eine wahre von Ihm gestiftete Religion und Kirche: Die katholische Kirche.

            Kleiner Gedankengang zum Abschied aus der Mathematik:

            2+2=4. Wenn ein 2. Klässler als Ergebnis 3.99 oder 4.01 rausbekommt, liegt er trotzdem falsch. Das alles sagt gar nichts über einzelne Menschen aus (auch nicht über den 2.Klässler;-)). Auch das war ebenfalls schon immer Lehre der Kirche. Mir persönlich sind Nietzsche oder andere manchmal näher, als Katholiken, die lieblos Wahrheiten verdrehen oder bigott Ihren “Glauben” zur Schau tragen. Egal ob “progressiv” oder “konservativ”. Die “Tartuffes” gibt es überall. Sagt Christus nicht auch, wir seien alle böse? er hat recht.

            Ich hoffe ich konnte manches klären.

            @KRP have a nice evening;-)

    • KRP sagt:

      @ Michele zum einen wenn Sie auf meinen Kommentar antworten würde genügen meinen Namen und auf Antworten zu gehen, Sie können sich sparen meine Kommentare zu kopieren.
      Das was Sie von der Auffassung Luthers schreiben kann ich so nicht stehen lassen. Was für eine andere Auffassung der Bibel die anders als die der Kirche ist? Kennen Sie die Schriften Luthers? Waren Sie dabei vor 500 Jahren? Ist mir zu oberflächlich was Sie schreiben.
      Ich finde P. Hagenkords Artikel sehr gut geschrieben und keines Wegs bein gegen Kirche aber einer Kirche die sich nicht gegenseitig zerfleischt mit Rechthaberei und das ist mit Sicherheit auch im Sinne vom dreieinigen Gott.
      Ansonsten verweise ich auf den nachfolgenden Blogbeitrag der das ganze in hervorragender Weise zum Ausdruck bringt. Bravo P. Hagenkord.

  8. Peter Werner sagt:

    Dem Blogpater gebührt großer Dank für das Posten dieses Themas und die 2 sehr guten Lektüretipps dazu.

    Ich bin immer so an das Thema herangegangen: mit der Erhebung Bene-
    dikts XVI. auf den Stuhl Petri war ich von einem auf den anderen Tag
    nicht nur katholisch (das war ich seit ca. meinem 8. Lebenstag) sondern hatte auf einmal richtig Freude daran katholisch zu sein. Und diese Freude wurde nicht kleiner sondern wuchs noch weiter je mehr Bücher ich von Benedikt u. ähnlichen Autoren las. Eins dieser Bücher war dann auch das Kompendium des Katholischen Katechismus.
    Und so sind diese Bücher für mich auch zum Verstehensschlüssel oder
    Deutungsschlüssel der Heiligen Schrift geworden. Und das erwarte ich auch von jedem Katholiken, der sich bewusst für diese Konfession des
    christlichen Glaubens entscheidet: dass er den Kathol. Katechismus und das katholische Lehramt als Deutungsschlüssel der Heiligen Schrift akzeptiert. Das braucht’s einfach für eine gemeinsame Basis.
    Nur einfach zu sagen “Christus allein genügt” oder gar das evange-
    lische “Sola Scriptura”, reicht nicht aus.

    Eins möchte ich als eine persönliche Erfahrung aus dem so eben Ge-
    schilderten noch los werden (weil in einigen Kommentaren schon wieder gegen die traditionsverbundenen Katholiken ein wenig ge-
    stichelt wurde): wenn man so an Heilige Schrift und Glauben heran-
    tritt, bekommt man fast automatisch mehr als nur einen Funken Ver-
    ständnis für die traditionelle Katholizität.

    • Muskat sagt:

      Ein sehr schöner Kommentar, Peter Werner! Bitte gestatten Sie eine Anmerkung zu “Christus allein genügt”. Wenn es so verstanden wird, dass die römisch-katholische Kirche der Leib, somit das Volk ist und Jesus Christus das Haupt, so kann schon gesagt werden, dass Christus allein genügt. Kein Katholik muss außerhalb nach Gott suchen, allenfalls nach verirrten Schafen. Die verfasste und konkrete Kirche, katholisch, d.h. die streitende, leidende und triumphierende Kirche ist die einzige und auf sie kommt es an. Selbstverständlich wird die Kirche angegriffen, so wie Jesus Christus auf Erden angegriffen wurde. Besonders harte Angriffe fährt in dieser Zeit hier die sogenannte “Allerlösungsvorstellung”, die im Grunde eine mystisch überhöhte Variante des Atheismus ist. Hierin drückt sich das postmoderne Zeitgefühl aus, dass alle Ideologien, alle Religionen in ihrem Führungsanspruch versagt haben. Alles wird als gleich, austauschbar und somit “egal” oder “wurscht” empfunden, das aktuelle Schlagwort dazu ist “Einheit in der Vielfalt”, das Leben als grenzenloser Marktplatz, der Mensch als Tier die Ware. Die Unvollkommenheit, die noch wahrgenommen wird, soll durch technischen Fortschritt beseitigt werden. Der Mensch als “Fehlerquelle” soll weitgehend ausgeschaltet, “entmachtet” werden und seine aufkommende Langeweile soll er durch Triebauslebung kompensieren.
      “Christus allein genügt” als römisch-katholische Kirche und gelebter Glaube ganz gewiss und selbstverständlich nicht verstanden als “Allerlösungsphantasiegespinst” einer resignierten und geistlich erschlafften Menschheit, die sich auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner,ihren “Bauch” konzentriert.

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