„Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf“

Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben, Teil 5

Wir, die wir religiös aktiv sind, reflektiv und auf Blogs und in Papsttexten nachlesen und nachdenken, wir sind gleichzeitig auch gute Konsumenten. Wir sehen uns als kritisch und distanziert, aufgeklärt und fortschrittlich, ganz gleich was für Ansichten wir konkret vertreten.

Dagegen setzt der Papst einen harten Satz: „Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf“ (158). Nicht Konsum. Nicht weiter-so. Nicht zurück lehnen und sehen, ob der Mann in Rom die Reform schafft oder nicht. „Es bedarf Kraft und Mut, um den Versuchungen des Teufels zu widerstehen und das Evangelium zu verkünden“ ist die Botschaft von Franziskus“. Jawohl, der Teufel.

Auf den Herrn hören: Dom von Sankt Gallen

Auf den Herrn hören: Dom von Sankt Gallen

Normalerweise spricht der Papst zu diesen Gelegenheiten über Mondanität, „mondanità“. Hier nicht, hier verschärft er die Gangart und den Ton und spricht vom Teufel.

Uns ist das unangenehm. Meistens – und ganz fortschrittlich kritisch – verlegen wir in diesem Augenblick die Debatte auf die Frage, ob es den Teufel überhaupt gibt und ob das nicht eine vergangene Sprache ist die unserem modernen Denken gar nicht entspricht und so weiter. Aber darum geht es dem Papst nicht.

Als Einzelpunkt habe ich das an dieser Stelle schon einmal besprochen. „Der Papst differenziert dann sein Sprechen vom Teufel: einerseits lasse nur diese Anwesenheit des Bösen die Dramatik der Zerstörung verstehen, andererseits dürfe man nicht naiv sein und etwa biblische Schriften um-deutend übernehmen. Das endet dann aber in dem Satz „Wir sollen also nicht denken, dass dies ein Mythos, ein Schauspiel, ein Symbol, ein Bild oder eine Idee sei“, das Sprechen vom Teufel bleibt. Was sich ja bis ins Vaterunser hinein zeigt, „Erlöse uns von dem Bösen“.“ (161)

 

Das ist unangenehm

 

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, was für eine Rolle das Sprechen vom Teufel methodisch im Denken des Papstes einnimmt. Denn das Thema Methode hat sich ja durch die vergangenen Beiträge gezogen.

Es geht um Wachsamkeit und um Kampf. Will ich Christ oder Christin sein, will ich mein Christsein heute leben, dann geht das nicht in einer Selbstverständlichkeit, wie sie sozial vielleicht getragen war – oder in einigen Gegenden vielleicht noch ist.

Die uns umgebende Welt enthält eben auch Dynamiken, die uns vom Christsein abbringen wollen. „Das gegenwärtige Leben bietet enorme Möglichkeiten der Betätigung und der Ablenkung. Die Welt präsentiert sie, als wären sie alle wertvoll und gut. Alle, besonders die jungen Menschen, sind einem ständigen Zapping ausgesetzt. Man kann auf zwei oder drei Bildschirmen gleichzeitig navigieren und zugleich auf verschiedenen virtuellen Ebenen interagieren. Ohne die Weisheit der Unterscheidung können wir leicht zu Marionetten werden, die den augenblicklichen Trends ausgeliefert sind“ (167).

 

Mittelmäßigkeit und Scheitern

 

Und das gilt es zu erkennen – zu unterscheiden wie der Papst sagt – und sich dementsprechend anders zu verhalten. An dieser Stelle wieder ein harter Satz: „Wer das nicht akzeptieren will, wird scheitern oder mittelmäßig bleiben“ (162).

Die Mittel dazu hatte der Papst in Kapitel Vier schon genannt, hier zählt er sie noch einmal auf. Dazu kommt in diesem Kapitel die biblische Grundhaltung der Wachsamkeit, der Bereitschaft zum Hören:

„Wir müssen uns bewusst sein, dass die Unterscheidung im Gebet von einer Bereitschaft zum Hören ausgehen muss: auf den Herrn, auf die anderen, auf die Wirklichkeit selbst, die uns immer auf neue Weisen fordert. Nur wer bereit ist zu hören, besitzt die Freiheit, seine eigene partielle und unzulängliche Betrachtungsweise, seine Gewohnheiten und seine Denkschemata aufzugeben. So ist man wirklich bereit, den Ruf zu hören, der die eigenen Sicherheiten aufbricht und zu einem besseren Leben führt, weil es nicht genügt, dass alles soweit gut geht und ruhig ist. Vielleicht will Gott uns Größeres schenken, und wir in unserer bequemen Zerstreutheit merken es nicht“ (172).

 

Kritisch und aufgeklärt

 

Wir, die wir uns als kritisch und aufgeklärt sehen und das vielleicht auch sind, müssen zurück in diese Haltung. Kritik heißt eben auch kritisch sein – wachsam und hörend sein – auf das Wort des Herrn. Aufgeklärt sein bedeutet eben auch, die Dynamiken zu erkennen, die uns umgeben und die von Gott und von unserem Christsein wegführen wollen.

Wir müssen aus unseren Denkschemata heraus. Kein angenehmer Gedanke. Wir müssen die eigenen Sicherheiten aufbrechen. Auch das nicht. Aber genau das ist die Botschaft des Papstes, an alle Christinnen und Christen auf dem Weg zur Heiligkeit. Samt der Ermutigung, die zu Beginn des Schreibens steht:

„Hab keine Angst vor der Heiligkeit. Sie wird dir nichts an Kraft, Leben oder Freude nehmen. Ganz im Gegenteil, denn du wirst dabei zu dem Menschen werden, an den der Vater dachte, als er dich erschaffen hat, und du wirst deinem eigenen Wesen treu bleiben“ (32).

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8 Kommentare zu „Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf“

  1. Amica sagt:

    Ehrlich gesagt, muss ich Ihnen sagen, dass dieses ständige “Ich muss untadelig sein und dieser ständige ,Kampf’ mit einem selbst” ganz schön anstrengend ist und auch an die menschliche Substanz gehen kann. Macht einen irgendwie fertig und leider auch zerknirscht und unsympathisch, fast schon unerträglich übermenschlich.
    Ich hab für mich beschlossen gar nicht groß heilig sein zu wollen, sondern ganz ehrlich: nur ertragbar für mein Umfeld zu sein. Für mich leider derzeit Anspruch genug.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Wenn man sich die antiken Philosophen anschaut, die ja auch schon ähnliche Weisen des Lebens für sich entdeckt haben, wenn auch ohne Bezug auf Gott, dann kann man auch fröhliche Gelassenheit sehen. Es ist nicht alles zerknirscht und schlecht gelaunt. Im Gegenteil, wenn das Ganze nicht von der Freude begleitet ist, vom Wunsch und Wollen, dann verfehlt das irgendwie seinen Sinn.

      • Amica sagt:

        Aber Leben ist doch nicht permanent von Freude begleitet und die kann man ja auch nicht einfach so herstellen.
        Was nützt es, wenn man selbst eigentlich ganz fröhlich ist bzw. mit einer guten Einstellung in den Tag startet aber permanent von Misepetern oder Egoisten umgeben ist?
        Leider färbt das dann ab und man wird auch ein Stück weit so, oder?
        Von solchen Leuten einfach wegzulaufen wäre eine Option aber irgendwie unchristlich. Also: manchmal muss man so ein Umfeld auch einfach nur ertragen.
        Ein Mensch der keine Freude kennt, ist sicherlich kein Christ aber ich bezweifle mal, dass ein echter Christenmensch durchwegs fröhlich sein kann.
        Manche Menschen setzen ja auch fröhliche “Masken” auf. Das geht auch – ist aber doch irgendwie falsch und auf Dauer recht anstrengend.
        Na, ich denk, meine Ausführungen führten irgendwie zu nix.
        Ich will einfach nur manchmal Mensch sein und irgendwie hemmt mich das Christentum da auch dran, irgendwie fühl ich mich da manchmal recht eingeschränkt. Hat jetzt nicht mehr viel mit dem Text vom Papst zu tun. Na, ich hör lieber auf.

        • Rosi Steffens sagt:

          Genau darum geht es, nicht abfärben lassen sondern selbst abfärben, gute Stimmung auf andere übertragen, sie hat schließlich einen Grund. Diesen Grund gilt es zu erfassen und weiter zu vermitteln, zu kommunizieren und nicht unterdrücken zu lassen.

  2. Theodoros sagt:

    Nicht nur ein Dekret, sondern auch eine vorgestellte Realpräsenz des Teufels kann Psychosen auslösen …

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