Gottes Wille und bittendes Gebet

Was bekomme ich, wenn ich Gott um etwas bitte? Wie sieht „Erfolg“ eines Gebetes aus? Müsste Gott nicht eigentlich etwas tun, wenn ich bitte? Oder wozu dient das Gebet eigentlich?

Es sind Fragen wie diese, die sich dem bittenden Gebet heute häufig genug in den Weg stellen, jeder Beter kennt zumindest den Wunsch, etwas möge doch auch bald in Erfüllung gehen. „Erfolgreiches“ Beten solle ein Beten sein, in dem Gott sich uns zuwendet. So wünschen wir. Und werden enttäuscht, so wir es denn ausschließlich bei diesem Wunsch belassen.

Papst Benedikt XVI. ging an diesem Mittwoch auf den Zusammenhang zwischen bittendem Gebet und den eigenen Erwartungen ein. In seiner Katechese bei der Generalaudienz setze er seine Gebetsschule fort, angeleitet von Jesu eigenem Gebet. Der Zusammenhang, in dem die Verbindung Bitte und Erfüllung am deutlichsten sichtbar wird, ist das Beten bei den Heilungen Jesu. Hier gibt es bittendes Gebet und hier gibt es Erfüllung, also scheinbar einen engen Zusammenhang beider. Der Papst deutet aber auf einen anderen, im Gebet viel wichtigeren Zusammenhang hin: Den des Beters mit Gott. Es geht um das sich dem Willen Gottes Anvertrauen. Nicht Gott soll in die Welt hineinhandeln, wir sollen den in der Welt geheimnisvollen Heilsplan Gottes entdecken lernen.

Der Papst sagte:

 

„Liebe Brüder und Schwestern, heute wollen wir über das Beten des Herrn im Zusammenhang mit zwei wundersamen Heilungen nachdenken. Dabei wird die innige Gemeinschaft Jesu mit dem Vater sichtbar und zugleich die tiefe menschliche Anteilnahme am Leiden seiner Freunde. Der Evangelist Markus beschreibt, wie Jesus sich einem Taubstummen zuwendet, ihn beiseite nimmt, ihm die Finger in die Ohren legt und die Zunge mit Speichel berührt. Dann blickt er zum Himmel und sagt: Effata – Öffnet dich! Das Mitleid Jesu mit dem Kranken lässt ihn zum Vater beten.

Vom Vater kommt dann die Kraft, die den Taubstummen heilt. Das Gleiche wird bei der Auferweckung des Lazarus sichtbar, von der das Johannes-Evangelium berichtet. Jesus ist Lazarus und seinen Schwestern herzlich verbunden. In seinem Gebet wird zugleich die tiefe Beziehung zum Vater im Himmel deutlich. Auf die Nachricht der Krankheit seines Freundes antwortet der Herr: „Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes“ (Joh 11,4).”

In dieser Situation verstärkt das Gebet das Freundschaftsband mit Lazarus und festigt zugleich die Entscheidung Jesu, im Willen des Vaters zu bleiben, in seiner Liebe, in der Krankheit und Tod des Lazarus zu einem Ort werden, an dem sich Gottes Herrlichkeit offenbart.

Diese Erzählung aus dem Evangelium lehrt uns, in unseren Gebeten nicht nur die schnelle Erfüllung unseres Willen zu erwarten, sondern uns noch mehr dem Willen des Vaters anzuvertrauen und Ereignisse im Hinblick auf seine Verherrlichung und seinen Heilsplan zu sehen, die für unsere Augen oft geheimnisvoll sind. Daher sollen in unserem Gebet Bitte, Lob und Danksagung immer verschmolzen sein – auch dann, wenn es scheint, als hätte Gott unsere Erwartungen nicht erfüllt.

(…) Auch durch unser Leben soll Gottes Herrlichkeit sichtbar werden. Wir wollen Christus bitten, dass er unsere persönliche Beziehung zum Vater im Himmel stärke und unser Herz weit mache für die Bedürfnisse und Nöte jener, die um uns sind.

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12 Kommentare zu Gottes Wille und bittendes Gebet

  1. Annemarie Wachsmann sagt:

    lob, bitte,dank, zusammengeschmolzen, so wie wort und schweigen. gebet als zusammensein mit gott, dann wird man wissen, was gott will. muss man einüben, wie bereits gesagt wurde.dann wird man auch seine erwartungen unter die lupe nehmen. und erkennen, dass gott auf umwegen handelt, wünsche erfüllt.und dass der mensch mitmachen muss.bei der wunscherfüllung. es fällt nichts vom himmel.

  2. Petra Krafft sagt:

    Bitten, Loben und Danken in ein Gebet fassen und dabei immer mit dem Blick auf den Willen der Vaters, in der Einheit mit ihm, nicht unser Wille, was wir wollen zählt sondern das was Gottes Wille ist, zählt. Alles was geschieht im Blick auf seinen Plan, der weit größer íst als unserer, auch wenn wir es oft nicht verstehen, trotz alledem fest Vertrauen, auf unser Vertrauen kommt es an.

    • Annemarie Wachsmann sagt:

      Genau, meine Rede.Petra. Unser Wille samt seinen Wünschen ist beschränkt, sonst ginge es uns nämlich sehr viel besser. Was Erzbischof Woelki am 8. Dez zum Thema Maria und der Wille Gottes gepredigt hat.Im Pontifikalamt mit sehr viel Weihrauch..Marias ganzes Leben wurde dadurch bestimmt bis zum Kreuz und weil sie sich eingelassen hat auf den Willen Gottes (nicht blind, sie hat nachgefragt), wurde ihr Leben weiter und größer. Das ist eine Maria auch für Männer, nicht wahr, Herr Dr. Strauss? ;-). Was ja das Typische für mein Leben ist, ich hatte genau um die Zeit der Predigt das Thema Wille Gottes bei den ignatianischen Exerzitien im Alltag(28 Tage online) und habe mir das Gehirn zerbrochen und dann diese Predigt.

      • Petra Krafft sagt:

        Liebe Fr. Wachsmann, das was sie geschrieben haben geht mir auch oft so, ich lese am morgen immer den Tagesimpuls aus Maria Laach oder den Tagesimpluls von Schott häufig ist es dann auch so das ich mir viele Gedanken über das was ich gelesen habe mache und am Wochenende in den Predigten erhalte ich dann sehr oft so eine Art Fazit der Woche.
        Teresa v. Avila sagt vom beten: „Beten ist für mich wie ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft
        und gern allein zusammenkommen,
        um mit ihm zu reden, weil wir sicher sind,
        dass er uns sehr liebt.“
        (Teresa von Avila) Das kann ich nur bestätigen.

        • Annemarie Wachsmann sagt:

          Petra, Teresa von Avila ist meine große Liebe 😉

          • Petra Krafft sagt:

            Liebe Fr. Wachsmann, da haben wir schon mal was gemeinschaftliches ich mag Teresa v. Avila auch gern aber noch mehr mag ich Augustinus. “Mein Herz ist unruhig in mir bis es Ruhe findet, Herr in Dir.”

  3. Peter Strauss sagt:

    Liebe Frau Wachsmann, sie treffen den Nagel auf den Kopf. Man darf Beten nicht unbedingt mit Bitten gleichsetzen. Beten kann auch Schweigen sein, einfach irgendwo vor Gott niederknien und ihn schweigend suchen. Irgendwann kommt dann auch seine Stunde und vielleicht sogar ein Wunder ( siehe Hochzeit von Kanaan ).

    • Annemarie Wachsmann sagt:

      Lieber Herr Dr. Strauss, wie sehr ich es genieße, dass wir beide nun gut klarkommen miteinander!!!Die Bibel ist voller Wunder, die lange nicht alle begriffen worden sind. Beim schweigenden Beten erlebt man auch schon mal-zumindest ich- wie nichtig Wünsche oft sind, wie sehr sie in die falsche Richtung gehen.Dann, plötzlich ,tun sich völlig andere Wege auf..Sichtweisen..

  4. Annemarie Wachsmann sagt:

    Petra, wie man die augustinische Unruhe beseitigen kann, zeigt uns Teresa, allerdings ist inneres Gebet nichts, was man sich aneignen kann. Herzensgebet geht aber ähnlich.Wissen Sie alles, ich weiß, ich wollte nur mal zeigen, wie klug ich bin 😉

    • Petra Krafft sagt:

      Liebe Fr. Wachsmann, ich bin schon einer Meinung mit ihnen, aber das mit dem “inneren Gebet ist nichts was man sich aneignen kann, verstehe ich jetzt nicht ganz, aneignen kann man es sich schon im Gebet, denn wenn mein Herz unruhig ist in mir findet es gerade im Gebet Ruhe wenn es ganz beim Herrn ist (Ruhe Herr in Dir).

  5. Annemarie Wachsmann sagt:

    Es gibt Kurse zum Thema inneres Gebet. Schwieriges Thema, finde ich.

  6. H.Sattel sagt:

    Ich glaube es ist ein Sören Kierkegaart, der einmal sagte, das “Beten” ein ‘Hören’ ist.
    So heisst es auch immer wieder:”Höre, o Israel…”; und das WORT GOTTES im Fleisch und unter uns wohnend:”….hört richtig zu….”
    Ich meine, dass dieser sehr wichtige Teil des Gebetes in dsr Kirche fehlt, da der Mensch erst durch richtiges und genaues, konzentriertes Zuhören zum Verstehen und zum Erkennen des WORTES GOTTES kommt: der “Erfolg” also im Hören seinen Ursprung hat….

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