Pressefreiheit – auch hier

Ein Text, den ich für die Webseite meines Ordens geschrieben habe, anlässlich des Tages dr Pressefreiheit heute. Zum Kommentieren stelle ich den Text auch hier ein:

“Hofberichterstattung”: kein Wort fällt häufiger als dieses, wenn Leute meine Arbeit vorstellen oder mich fragen, was ich denn da in Rom mache. Wenn es nett ist, dann wird das Wort ironisch gebraucht. Aber auch die nichtironische Variante gibt es durchaus.
Dahinter liegt die Frage oder Anfrage oder auch der Vorwurf, dass unsere Arbeit – früher bei Radio Vatikan, jetzt Vatican News – journalistisch nicht Ernst zu nehmen sei. Wir seien ja nicht frei in dem, was wir schreiben könnten, dürften und müssten.

Das sind wir jetzt

Das sind wir jetzt

Am internationalen Tag der Pressefreiheit ist das vielleicht einen Gedanken wert. Natürlich sind wir Teil des Vatikan, natürlich reflektiert unsere Arbeit die Perspektive des Papstes, alles andere wäre ja auch unnatürlich. Wir berichten nicht über den Vatikan, sondern aus dem Vatikan. Aber wir behaupten ja auch nichts anderes, es steht groß über unserer Webseite, wer uns liest oder hört, der weiß, wer wir sind.

 

Religion als Religion berichten

 

Trotzdem ist das kein Hofberichterstattung. Wir erzählen Geschichten – “storytelling” auf Neudeutsch – aus Vatikan und Weltkirche, wir wollen nachvollziehbar machen und wir springen nicht auf jede Debatte auf, die in den Medien ihre Kreise zieht.

Wir probieren auch, Religion als Religion zu erzählen, nicht nur als soziologisches oder politisches Phänomen. Das ist eine Stimme mehr in den Medien, eine Perspektive die vielleicht andere nicht so haben.

Pressefreiheit ist ein hohes Gut, es gibt sie aber in vielen Formen. Und dass eine Institution sich eigene journalistische Medien leistet, das gehört auch dazu. Es gut, dass eine Institution wie der Vatikan nicht nur durch Pressesprecher redet, sondern sich auch andere Kommunikation leistet. Das ist ein Zeichen von Freiheit.

 

Das trägt zur Freiheit bei

 

Pressefreiheit ist wertvoll. Es ist gut, dass es so viele verschiedene Formen von Kommunikation gibt und dass gerade jetzt so viele neue Entstehen. Unfreiheit entsteht, wenn nicht mehr Menschen – User, Kunden, Redakteure, Hörer, Unternehmer – entscheiden, was Nachricht ist und was man vielleicht sein lässt, sondern Algorithmen. Vatikan-Journalismus wie der unsere ist also gar nicht die Gefahr, das kann ja ignorieren, wer will. Gefährlich wird es erst dann, wenn wir nicht mehr die Wahl haben, sondern der Big Data entscheidet, was wir zu hören, sehen und zu lesen bekommen. Wenn der Konsum entscheidet, was News sein darf und was nicht.

Der Tag der Pressefreiheit ist deswegen auch unser Tag hier bei Vatican News. Es steht Religionen und Kirchen und dem Vatikan gut an, sich an Debatten zu beteiligen und zu berichten, was zu berichten ist. Das trägt zur Freiheit bei.

 

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17 Kommentare zu Pressefreiheit – auch hier

  1. carn sagt:

    “Dahinter liegt die Frage oder Anfrage oder auch der Vorwurf, dass unsere Arbeit – früher bei Radio Vatikan, jetzt Vatican News – journalistisch nicht Ernst zu nehmen sei. Wir seien ja nicht frei in dem, was wir schreiben könnten, dürften und müssten.”

    Ein solcher Einwand gegen VaticanNews ist nicht gut durchdacht.

    Denn jeder Vollzeit-Journalist muss von irgendwas leben; irgendwer muss die Arbeit bezahlen; und in Berichterstattung denjenigen gegenüber, die die Arbeit bezahlen, ist ein Journalist nie wirklich vollkommen frei.

    So ist z.b. eine durch Verkauf und Anzeigen finanzierte Zeitung abhängig von ihren Käufern und den Anzeigen bezahlenden (die aber wiederrum nur Anzeigen bezahlen, weil sie glauben so die Käufer beeinflussen zu können); wäre es eventuell mal ein publizistisch interessantes Thema, wenn eine Zeitung aufmachen würde mit: “Skandal! Gute Gesetze scheitern, weil Zeitungsleser mit längerem als Schlagzeilen überfordert sind!”?

    Vielleicht; aber ganz sicher wird keine Zeitung das als Schlagzeile raushauen (alleine schon, weil es zu lang ist). Eine Zeitung wird in ihrer Freiheit ergo immer beschränkt sein abhängig davon, was die Leser wollen/vermeintlich wollen.

    Und auch die Öffentlich-Rechtlichen sind nicht frei; da können den Journalisten zwar die das Geld zahlenden eigentlich egal sein; aber nicht diejenigen, die im Rundfunkrat sitzen, die im Prinzip indirekt die Besetzung von Posten und Themen der Berichterstattung beeinflussen können.

    So gesehen ist das “Vatican” eigentlich ein echter Pluspunkt:
    “Aber wir behaupten ja auch nichts anderes, es steht groß über unserer Webseite, wer uns liest oder hört, der weiß, wer wir sind.”

    denn dann ist es ehrlich.

    • Rosi Steffens sagt:

      Jeder hat die Wahl nach seinem Gewissen zu entscheiden, nur leider tun das nicht alle Menschen so konsequent, wie es geschehen sollte und deshalb gibt es so viel Korruption und Menschen die unter Wert und Würde arbeiten (müssen).

  2. Rosi Steffens sagt:

    Ich kann Ihnen nur zustimmen Pater Hagenkord und ich persönlich bin sehr dankbar für das Medium, das der Vatikan zur Verfügung stellt. Ohne dieses Blog z.B. hätte ich nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten meine Position zu Kirche und Welt einzunehmen, weil ich dazu letztendlich auch ihre Verbindungen nutze.

    Journalismus ist ein wertvolles Gut, wenn er Sachverhalte aufdeckt, deren Betrachtung ohne den verantwortungsbewussten medialen Zugang durch die Presse für die breite Bevölkerung gar nicht möglich wäre. Wie Sie schon sagen, jeder kann dann letztendlich selbst entscheiden, wie er mit Informationen umgeht und ihnen eine entsprechend eigene Präsenz gibt indem er seine Argumente dazu an den entsprechenden Stellen einbringt, um damit letztendlich auch für die Entscheidungsträger ein umfassenderes Bild über andere Einstellung dazu zu ermöglichen.

  3. Theodoros sagt:

    Die Frage sei erlaubt, ob alle diejenigen, denen es vergönnt ist, unter dem Schutzschirm der Pressefreiheit schaffen, diese auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten unvoreingenommen nutzen, um den Menschen von seiner anthropozentrischen Sicht auf die Welt zu befreien, wie sie sich in unzähligen Berichten, Geschichten und Kommentaren unablässig niederschlägt.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Da steckt aber ein Widerspruch in ihrem Satz. Entweder man ist unvoreingenommen, oder man hat eine klare Absicht, nämlich die “Befreiung von der anthropozentrischen Sicht auf die Welt”. Beides zusammen geht nicht.
      “Voreingenommen” heißt in dem Fall, mit gewissen ausgesprochenen und klar ersichtlichen Prinzipien und Haltungen an eine Sache heran zu gehen. Das muss nichts Schlechtes sein, wenn es denn transparent geschieht. Aber es ist eben keine völlige Offenheit.

      • Theodoros sagt:

        In der Tat, das ist widersprüchlich; streichen Sie das Wort ‘unvoreingenommen’ (gedanklich) im Text. Danke fürs Korrekturlesen!

    • carn sagt:

      “unter dem Schutzschirm der Pressefreiheit schaffen,”

      Darunter schafft jeder, der

      für eine unbestimmte und beliebig große Öffentlichkeit publiziert; und

      dies berufsmäßig macht.

      Ergo irgendein Blogger, der mit Anzeigen sein Geld verdient, fällt unter Pressefreiheit.

      Auch dieser Blog von pater Hagenkord würde unter Pressefreiheit fallen, wenn man das ganze als “berufsmäßig” werten könnte (weiß da nicht genug, ob das darunter fallen würde).

      Ob jemand “Journalist” ist, ist für die Pressefreiheit irrelevant, vor allem da der Begriff an sich rechtlich nicht klar definiert ist. Relevant ist das Tun.

  4. HJB sagt:

    Beim Thema Pressefreiheit geht es selbstverständlich auch um die Meinungsfreiheit von Kommentaren in den dazugehörigen Foren:

    Pater Hagenkord, Sie persönlich tun sich schwer, im Vatikan-Blog kirchenkritische Kommentare und insbesondere Kritik an Äußerungen von Kardinälen und vielleicht auch an Bischöfen zu veröffentlichen.

    Sie tun der Kirche damit keinen Gefallen, weil sie damit eine Gelegenheit vereiteln, über sich und einzelne ihrer Standpunkte nachzudenken.
    Sie dürfen mir glauben: Einzelne Kardinäle brauchen dringend Diskussionen über ihr Tätigkeitsfeld und ihre Ansichten.

    Und auch Sie als Leiter der deutschen Vatikan News dürften gerne mehr ihre eigenen Standpunkte hier unterbreiten, wenn es nach den Lesern der Vatican News gehen würde.
    Doch wie die Vergangenheit gezeigt hat, geht man im Vatikan alles andere als zimperlich mit Kritik und anderen Meinungen in den eigenen Reihen um. Da ist auch mal jemand sofort seine Aufgabe los. Insoweit ist es nachvollziehbar, aber trotzdem schade, wenn innerhalb des Vatikans – öffentlich – wenig offene Diskussion stattfindet.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Zur Politik des Zulassens oder nicht Zulassens: das hat mit Kritik nichts zu tun. Das hat mit Form von Kritik zu tun. Kritik die persönlich wird oder zu stark angreift, Kritik die auf die Metaebene wechselt, Kritik die ein anderes Thema zwanghaft in die Debatte einführen will und damit diese Debatte dominieren will, all das schalte ich in der Tat nicht frei. Das hat auch nichts mit offener Diskussion zu tun, sondern mit deren Pflege.

  5. Liudger Gottschlich sagt:

    Das sind große Worte, Pater Hagenkord, aber heute haben Sie sich mit Ihrer Redaktion selbst ad absurdum geführt. Keine Hofberichterstattung? Oh doch! Teaser: Klare Worte eines Vatikandiplomaten! Und dann: Ein Bericht über die Auslassungen des österreichischen Nuntius, die an Einseitigkeit und Populismus nichts mehr zu wünschen übrig lassen. Diese Auslassungen gegen Kardinal Marx sind peinlich und aus einer derart einseitigen Weltsicht formuliert, dass man sich fragt, wie dieser Mann in den diplomatischen Dienst gelangt ist. So wie Ihre Redaktion die Nachricht anfüttert, hat das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun, sondern das ist eindeutig ein klarer und heftiger Schuss gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Sie teilen seine Meinung. In Ihrem Blog hier beanspruchen Sie ein anderes Niveau. Das haben Sie mit dieser Meldung locker unterlaufen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ich bin etwas verwundert über Ihren Kommentar. Was die Aussageabsicht des Nuntius ist, ist klar, und wir haben das Ganze ja auch komplett sichtbar gemacht. Jede und jeder kann sich ein eigenes Urteil bilden. Der Bericht versucht ohne die Polemik die Aussagen des Nuntius zusammen zu fassen. Das ist kein Schuss gegen niemanden. Und der Teaser? Wo lesen Sie den Teaser?

      • Liudger Gottschlich sagt:

        Auf der fb-Seite Ihrer News. Da ist der o.g. Teaser vorgesetzt, der die Identifikation mit den Aussagen des Nuntius deutlich macht. Oder lassen Sie die fb-Seite nicht von der eigenen Redaktion pflegen und kontrollieren?

    • carn sagt:

      Was genau soll Vatican News da machen?

      “Klare Worte eines Vatikandiplomaten! Und dann: Ein Bericht über die Auslassungen des österreichischen Nuntius, die an Einseitigkeit und Populismus nichts mehr zu wünschen übrig lassen. Diese Auslassungen gegen Kardinal Marx sind peinlich und aus einer derart einseitigen Weltsicht formuliert, dass man sich fragt, wie dieser Mann in den diplomatischen Dienst gelangt ist. So wie Ihre Redaktion die Nachricht anfüttert, hat das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun, sondern das ist eindeutig ein klarer und heftiger Schuss gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.”

      Wenn ein für den deutschsprachigen Raum nicht irrelevanter Würdenträger klar und deutlich verbal den Vorsitzenden der DBK kritisiert, dann beinhaltet eine objektive Berichterstattung eben die Information, dass da ein klarer und deutlicher verbaler Angriff stattfand.

      Wenn sich die Leut fetzen, kann man als Journalist nur berichten, dass die Leute sich fetzen.

      “Sie teilen seine Meinung.”

      Gewagt zu behaupten, Kardinal Marx würde auf Vatican News eher schlecht wegkommen.

  6. Theodoros sagt:

    Damit der Big Data nicht über unser Wissen und Erleben entscheidet, ist es wichtig, Leben und Bewusstsein auch naturwissenschaftlich wirklich zu verstehen und sich ebensolche Kenntnisse auch über das betreffende Wissensgebiet anzueignen. Denn die Naturwissenschaften erlauben dem Menschen frei von Subjektivismen, Abhängigkeiten zu durchschauen und sich ggf. davon zu befreien. Und sie eröffnen sogar die Perspektive, dass eines Tages der uralte gedankliche Gegensatz zwischen dem Geistigen und Materiellem überwunden werden kann.

  7. RD sagt:

    Es mag Ausnahmen geben, letztlich nehme ich Ihre Arbeit aber so war, wie die einer professionellen Kommunikationsfunktion eines Konzerns. Das meine ich nicht bewertend.

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