Und der Papst schweigt

Er kann, soll und muss jetzt reden: Papst Franziskus steht in der Öffentlichkeit unter Druck, beugt sich diesem Druck aber nicht. Sondern er schweigt. Und wird deswegen weiter unter Druck gesetzt, in den vergangenen Tagen habe ich von vielen Christinnen und Christen gehört, dass sie sich ein klärendes Wort erwarten, allein um die nagenden Zweifel auszuräumen.

Aber der Papst schweigt. Warum? Wozu schweigt Papst Franziskus?

Der Journalist Austen Ivereigh ist jemand, der besonders qualifiziert ist, über dieses Schweigen zu sprechen. Er ist nicht nur Vatikan-Kenner, sondern hat seine Promotion auch zur Kirche unter der Militärdiktatur Argentiniens geschrieben. Das ist deswegen in diesem Fall wichtig, weil es nicht das erste Mal ist, dass Jorge Mario Bergoglio in einer krisenhaften Situation schweigt.

Auch damals schwieg er schon: Karinal Bergoglio vor seiner Papstwahl. Bild: Casa Rosada, Argentinien

Auch damals schwieg er schon: Karinal Bergoglio vor seiner Papstwahl. Bild: Casa Rosada, Argentinien

Erinnern wir uns: Als er 2013 zum Papst gewählt wurde, wurde sofort eine Komplizenschaft mit den Militärs in seinem Heimatland unterstellt, Argumente oder gar Beweise brauchte es nicht. Und auch im Jesuitenorden gab es lange die Geschichte, er habe zwei Mitbrüder an die Militär-Diktatur verraten.

Ivereigh geht in einer der bislang besten Bergoglio-Biografien auf all diese Vorwürfe detailliert ein und zeigt, wie wenig da dran war und dran ist. Nichts.

Was hier aber wichtig für das Argument ist ist die Tatsache, dass 2013 der frisch gewählte Papst nichts dazu sagte. Gar nichts.

 

Schweigen schon als Pater und als Bischof

 

Ein italienischer Autor brach darauf hin nach Argentinien auf, um Beweise für die Komplizenschaft zu finden, von der er selber auch überzeugt war. Er kam zurück und schrieb das genaue Gegenteil: Bergoglio hatte Menschen geholfen, vor den Diktatoren und ihren Häschern zu fliehen (Nello Scavo: Bergoglios Liste. Auf Deutsch bei Herder erschienen).

Bergoglio selber hatte darüber nie gesprochen. Und tat das auch unter Druck nicht. Es wäre einfach gewesen, die Anklagen 2013 – die es angeblich auch beim Konklave 2005 schon gegeben hatte – mit Verweis auf diese Rettungsaktionen vom Tisch zu wischen. Papst Franziskus tat es nicht. Er schwieg.

 

Schweigen unter Druck

 

Und in einem Artikel erklärt Austen Ivereigh auch, warum. Es hat geistliche Gründe. Das Schweigen öffnet den Raum für das Handeln Gottes. In Zeiten großen Drucks, wenn alles gegen einen spricht und wenn die Versuchung groß ist, jetzt alles durch eigenes Tun in die Hand nehmen zu wollen, genau dann ist das Gegenteil richtig. Nicht das eigene Tun, sondern das Schweigen und damit Gottes Handeln ist wichtig.

Das entspricht etwa dem, was Jesus selber über die Dämonen sagt, gegen die nur Gebet hilft: gegen übergroße Macht hilft nicht gegen-Macht, sondern Stille, Gebet, das Handeln Gottes.

 

Das ist keine Flucht

 

Das ist keine Flucht vor Verantwortung. Die Klage lautet ja oft, dass Christen dem Papst ja glauben wollen, aber nichts von ihm zu den Vorwürfen hören. Und so bleiben sie in ihren Zweifeln. Die Zweifel werden zu stillen oder öffentlichen Anklagen, „Sprich doch endlich!“. Sein Hirtenamt ist in diesem Fall nicht das Amt des machtvollen Wortes, genau wie er auch sonst Macht-Gesten verweigert. Verantwortung ist weiter als die Aktion.

Das ist auch keine Beteiligung an der Vertuschung, ganz wichtig! Die ersten Vorwürfe von Kindes-Missbrauch gegen McCarrick haben den Vatikan in diesem Jahr erreicht, und es wurde sehr schnell gehandelt. Mit seinem jetzigen Schweigen schützt der Papst niemanden, im Gegenteil, allen Kommentaren nach schadet er eher sich selber. Das ist keine Vertuschung, zu der Papst mit seinem Schweigen beiträgt.

 

Geistliches Handeln, weltliches Handeln

 

Drei Beobachtungen von mir dazu:

Erstens wird wieder einmal sehr deutlich, dass für Papst Franziskus sein Handeln ein zutiefst geistliches Handeln ist. Beten kommt nicht am Anfang des Tages und dann wieder bei der Messe vor, es durchzieht sein Tun, auch wenn es nicht immer sichtbar ist. Das führt dann eben dazu, dass in den besonders schwierigen Momenten er nicht so handelt, wie wir das wollen, sondern wie seine geistlichen Überzeugungen das ihm eingeben.

Zweitens: Der Druck. Es gibt keinen Druck. Es wird versucht, von interessierter Seite Druck aufzubauen, an den Haaren herbei gezogene Vorwürfe werden als Tatsachen unhinterfragt wiederholt, Petitionen geschrieben, Leitartikel gedruckt. Aber Druck ist nur dann Druck, wenn er als solcher angenommen wird. Das ist nicht wie in der Physik. Wenn derjenige, den man unter Druck setzen will, innerlich frei ist, dann ist das auch kein Druck, der ausgeübt wird. Sondern ein übles Machtspiel. Das Schweigen des Papstes demaskiert das.

 

Was wäre die Alternative?

 

Drittens: Was wäre besser, wenn der Papst sprechen würde? Alle Vorwürfe gegen ihn sind ausführlich auseinander genommen worden und keiner hält stand. Vielleicht wird er ja später dazu noch etwas sagen, hatte er beim Rückflug aus Dublin dazu gesagt, aber eben jetzt nicht. Wenn er reden würde, dann würde er das Macht-Spiel derjenigen mitspielen, die jetzt mit Dreck werfen.

In diesem Fall bin ich in einer Minderheit, aber irgendwie macht es mich auch stolz, dass der Papst genau das nicht tut. Das tut uns im Augenblick weh, wir hätten gerne die reinigende Geste, den Macht-Gestus, der das alles klärt. Aber genau das tut der Papst nicht, er schweigt, er öffnet Gott den Raum.

Wenn das Sprechen von Gott in unserer Welt nicht nur fromm ist, sondern unser Leben auch prägt, dann muss dort auch das Schweigen seinen Ort haben. Und zwar nicht als Gebet im stillen Kämmerlein, sondern auch im „echten“ Leben. Das ist schwer auszuhalten. Aber ich bin überzeugt, dass ein solches geistliches Handeln auf die Dauer tragfähiger ist, als das Mitspielen in den mitunter verzweifelten Versuchen, das Macht-Spiel zu spielen.

 

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62 Kommentare zu Und der Papst schweigt

  1. Starker Text- DANKE!!

    die geistliche Dimension in diesen böswilligen Unterstellungen erinnert doch sehr in sehr an Mark.53-65
    ******************************************************************

    die abrahamitischen Religionen haben es immer noch nicht geschafft:
    diesen ernsthaften aber auch NATÜRLICHEN -SELBST-BESTIMMTEN – Umgang gerade auch der jungen Leute mit Sex
    -in LiebesBEZIEHUNGEN -POSITIV!! zu begleiten-..

    ob sich das in heterosexuellen oder schwulen bzw. lesbischen BEZIEHUNGEN ausdrückt..

    wie es immer MENSCHEN sind die zur Liebe fähig und berufen sind

    ich erhoffe mir, dass im Auditorium der Jugendsynode diese Thematik von Jugendlichen WENIGSTENS angesprochen wird-

    im übrigen weiß doch zumindest jeder Jugend Seelsorger wie die jungen Leute leben..

    JA!- und auch die-frei gewählte – Keuschheit wird von ihnen ja voll respektiert.

    • Michael Böhles, P. Mag.theol. CSSp sagt:

      … das Markus-Zitat ist unklar, weil die Kapitel-Angabe fehlt? Die Miss-Deutung der “abrahamitischen Religionen” in Sachen Wertschätzung der menschlichen Sexualität beruht wohl auf Unkenntnis? Das “technische” Verständnis von Liebe (“we make love”) entspringt einer falschen Optik: “Du verwechselst Lust mit Liebe!” (Umberto Eco – “Im Namen der Rose”).
      [Ansonsten ein Lese-Tipp: “KÖNIGSKREUZ UND FISCHERNETZ – Bibl.-Theol. Spekulationen zu J.K. Rowlings ‘Hary Potter’-Saga aus past.-psych. Sicht”
      – ISBN 9783945462270]…

      • @Michael Böhles, Markus Zitat ist in Kapitel 14 Nr,61 eingebettet in 14.53-65
        ****************************************************************
        zu Ihrer Einlassung zum Thema Liebes-Beziehungen :

        ich verweise auch auf die Erklärung der deutschsprachigen Jugendverbände oder die Stellungnahme des BDKJ zur fragwürdigen Demo gegen Gender Mainstreaming(katholisch,de)

        aber ich hab den Eindruck, dass Sie meine
        Einlassung – bewusst?? -MISSVERSTEHEN WOLLEN!! ..

        ist ja OK,wenn Sie für Ihr Buch werben. Übrigens mit J.K. Rowling hab ich`s weniger..

        aber vielleicht mit ihrem Kollegen Paul Zulehner oder mit Pater Paul Mertes

        • Michael Böhles sagt:

          … danke für die Ergänzung! Was die “Eigen-Reklame” angeht, so handelt es sich bei dem “Opus” um eine Materialsammlung in Form einer Wissenschaftlichen Problem-Studie. Dabei “spielt” der Hauptdarsteller der 8 Filme (SAT1 bringt sie seit Samstag in Folge) D.J. Radcliffe insofern eine zusätzlich motivierende Rolle, als er nach Abschlus aller Dreharbeiten munter erklärte, s.E. nach sei es wohl angebracht, in den Schulen den Religionsunterricht durch Sexualkunde zu ersetzen…
          Ich betrachte daher meine vorigen Einlassungen eher als ergänzenden Hinweis, gerade um “Miss-Verständnisse” zu vermeiden…

  2. Barbara Fank-Landkammer sagt:

    Danke, es macht mich nachdenklich …

  3. ulrich schnauder sagt:

    Nur die Wahrheit macht frei!

    Der amerikanischen Kardinal McCarrick hat seine Macht und seinen Status als Priester, Bischof und Kardinal zu seriellen sexuellen Übergriffen gegenüber Seminaristen und jungen Priesteranwärtern genutzt und (geistliche) Leben zerstört. Offenbar wollten viele in der Kirche gar nicht so genau wissen, was McCarrick so trieb. Da gibt es nichts zu beschweigen, sondern aufzuklären, woran und an wem das lag. Die frohe Botschaft von der barmherzigen Liebe Gottes verliert ihre heilsame und verwandelnde Kraft, wenn sie von moralisch korrumpierten Priestern und Bischöfen in verweltlichter und verunreinigter Münze ausbezahlt wird. Gott liebt uns wie wir sind, aber er will nicht, dass wir so bleiben wie wir sind. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15), ruft uns Jesus Christus zu. Er will uns die Gnade zur Verwandlung, zur Heiligung schenken, damit wir es in der Ewigkeit überhaupt aushalten, in seiner Nähe zu bleiben. Papst Franziskus darf zu den Vorwürfen von Erzbischof Vigano, er habe von den Übergriffen des Kardinals gewusst, diese aber wegen seiner (kirchen)politischen Nähe ignoriert und McCarrick wieder eine bedeutende Rolle bei kirchlichen (Personal-)Entscheidungen zugewiesen, nicht schweigen. Nur die Wahrheit macht frei für die notwendige tiefe und umfassenden Reinigung SEINER Kirche.

    Mir stellt sich die Frage: Warum sollte ein langjähriger Erzbischof am Ende seines irdischen Lebens mit einer so schweren Hypothek / Lüge vor seinen Richter treten, wenn das was er behauptet, nicht den Tatsachen entsprechen sollte?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Der Papst darf schweigen, wenn reden bedeuten würde, sich auf die Schlammschlacht einzulassen. Dass die Vorgänge um McCarrick nach Aufklärung schreien, ist deutlich. Nur sind die Vorwürfe gegen den Papst so dermaßen aus der Luft gegriffen, dass es vielleicht kontraproduktiv wäre, hier die Rücktritts-Debatte zu führen.

      • Eva sagt:

        Sehr geehrter Pater Hagenkord!
        Danke für Ihren Beitrag! Auf den ersten Blick wäre man versucht gewesen zu hoffen, dass Papst Franziskus auf den Viganò Brief mit Argumenten und Rechtfertigungen antworten würde. Aber Papst Franziskus zeigt durch sein Verhalten, dass er sich weder manipulieren noch provozieren lässt. Er geht seinen Weg unbeirrt weiter. Dafür müssen wir ihm danken.

      • Michael Böhles, P. Mag.theol. CSSp sagt:

        Die Alternative zum Sprechen ist nicht das Lügen, sondern das Schweigen. Die Doppel-Deutigkeit des “Memorabiliums” “QUI TACET, CONSENTIRE VIDETUR” (“Wer schweigt, scheint zuzustimmen”) ist hier aber unangebracht, wenn es um Orientierungshilfe geht? Biblisch-theologisch gesehen ist das Schweigen Gottes die Eröffnung der “Freiheit der Entscheidung” hin zur “Freiheit der Entschiedenheit” (Risiko + Chance in eins, mit allen Folgen) – das wird im Sündenfall bei Adam & Eva ebenso deutlich wie auch im Kreuzes-Tod Jesu. Wenn Reden für einen sebst lebensgefährlich wird (> “Genug weiß niemand, zuviel mancher”), so gilt die Rede Jesu: “Euer JA sei ein Ja, und euer NEIN sei ein Nein – alles, was darüber hinaus geht, ist vom Bösen!” Der Rest ist im Schweige-Raum eingeborgen… [Was Albino Luciani “auf den Punkt bringt”: “… machen die Gerissenen eine Prozession, geht der Teufel mit dem Kreuz voran!”] In allem aber gilt: “WER SICH EIN-SETZT, SETZT SICH AUS…”

    • Michael Böhles, P. Mag.theol. CSSp sagt:

      Das ist korrekt! “Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht” sagt der Herr der Kirche. Und für V. gilt: “Wer sich einsetzt, setzt sich aus”… Ihn der “Sünde gegen den Hl. Geist” zu bezichtigen, ist Nonsens deshalb, weil diese Sünde bislang nur von den gefallenen Engeln begangen sein kann: hätten Adam und Eva diese im Sünden-Fall (samt “Erb-Sünde”) besorgt, gäbe es keine Heils-Zuwendung von Gott her und also auch keine Heils-Geschichte…

  4. Olivia sagt:

    Du hast Recht – der Papst lässt in dieser Hinsicht überhaupt keinen Druck zu. Und das ist gut so. Er tut nämlich seinen Job, ob den Menschen das so immer gefällt oder nicht.
    LG
    Olivia

  5. Alice sagt:

    Vielen Dank für Ihren Beitrag! Ich bin voll bei Ihnen, Pater Hagenkord, und bei Papst Franziskus sowieso. Mein Respekt, meine Hochachtung, meine Liebe und Gebete…

  6. Emma sagt:

    Ich hoffe mit diesem Skandal ist das Ende der aktuellen Travestieshow in der Kirche eingeläutet. Was Herr Bergoglio davon wusste oder weiß oder wissen wollte oder verdrängt hat und ob und wann er mutwillig oder böswillig oder unwissend agiert hat, Gott weiß es.
    Im übrigen kann sich ja jeder selbst fragen, was er wusste und weiß. Man braucht in der Kirche nur die Augen offen zu halten, die vielen Mädchen und wenige Jungs bei den Ministranten (Mütter passen auch auf!), das gehäufte Auftauchen von “Schmalzbarden”, das Fernbleiben der Männer beim Gottesdienst, die vielen Kirchenaustritte.

    • Michael Böhles, P. Mag.theol. CSSp sagt:

      Richtig ist nur so viel: “Das Ewige Leben ist nicht den Institutionen / Orden verheißen worden, sondern den Einzelnen in ihnen – wie übrigens jedem Christenmenschen auch!” [Gemeint sind also natürliche Personen, die von den ‘toten’ – weil juristischen – ‘Personen’ zu unterscheiden sind.]

  7. Amica sagt:

    Was kann der Papst schon verlieren? Ein Papstamt, das er eh nicht wollte. 😉 Beste Voraussetzung um ehrlich zu sein und wenig ehrgeizig. 😉
    Frage: Wieso ist das Papstamt und Rom eigentlich noch so wichtig?

    • Michael Böhles, P. Mag.theol. CSSp sagt:

      Das ganz persönliche Problem des Papstes ist in seinem Titel “Papa” =
      “Vater” begraben? “Ihr sollt niemanden auf Erden euren Vater nennen, denn nur Einer ist euer Vater – Der im Himmel!” (“Vaterunser”-Gebet). Da der Bischof von Rom sich als Nachfolger des Simon Petrus versteht, ist in dieser “genealogischen Linie” be-inhaltet, dass Simon von Jesus den Bei-Namen “Petrus” = “Fels” erhielt: einen Felsen legt man sich nicht auf den Kopf, um davon platt-gedrückt zu werden, sondern man steht auf ihm auf, im Glauben gefestigt und getragen (“Du aber stärke dereinst deine Brüder!”)… Was ganz allgemein gilt, gilt auch im kirchlichen Milieu: “Vergangenheit ohne Zukunft ist tot, Zukunft ohne Vergangenheit ist blind – sehend wird man nur in der jeweiligen Gegen-Wart…” Also: Wer Gemeinsamkeit erhält, muss Einsamkeit ertragen?!?

      • Amica sagt:

        Mhhh: Aber Sie persönlich, was halten Sie von dem Amt?
        Ist es gut, dass es noch existiert? Wär es eventuell leichter bzw. “geschwisterlicher”, wenn es eben nicht mehr da wäre? Was würde uns fehlen? Was würde die Kirche schlechter machen, wenn da kein Papst mehr an der Spitze wäre?
        Sein Wort hat Gewicht, ja, stimmt schon. Er kann Einfluss nehmen auf die Gesellschaft und Politik – und nimmt es ja. Aber Menschen, die Charisma haben, können auch immer wieder was ändern und uns zum Nachdenken bringen, oder? Und solche Menschen gibt es doch nach wie vor in der kath. Kirche.
        Ist das Papstamt von heute etwas für Menschen, die einfach gerne einem weiß gekleideten weisen Mann hinterher jubeln wollen?
        Das ist meine Frage.
        Was meinen Sie?

        • Rosi Steffens sagt:

          Also, wenn ich mich hier einbringen darf in Bezug auf das Amt des Papstes, so trägt dieses Amt für mich die Person, der ich mich durch das Kreuz der Auferstehung im Herrn mit dem katholischen Glaubensbekenntnis verpflichte. Das bedeutet, ich trage die Kirche als ein vollwertiges Glied mit meinem Namen mit und das in guten wie in schlechten Zeiten, denn diese Kirche erhob mich aus dem Gedächtnis an die Auferstehung des Herrn, der die Braut von Josef im Glauben an Jesus Christus das ganze Leben lang begleitet. Wem also der Papst in seinem Amt als Fürsprecher der Mutter Gottes und damit auch der Braut nicht passt, der sollte sich ernsthaft Gedanken darüber machen, was er unter Kirche im Zusammenhang mit ihrem katholischen Bekenntnis zum Glauben eigentlich versteht.

          • Amica sagt:

            Ist der Papst der einzige “Fürsprecher der Mutter Gottes”? Was soll überhaupt der Begriff “Fürsprecher” bedeuten? Seltsames Wort.
            Ich hätte gedacht, die Mutter Gottes ist Fürsprecherin für alle die Sie anrufen, nicht umgekehrt.
            Mhhh.
            Und was mich auch so stört an den “echten” Katholiken: dieses dauernde Nachplappern von Glaubenssätzen, die diese scheint’s nie groß reflektiert haben bzw. diesbezüglich irgendwelche Glaubenserfahrungen gemacht haben, die ihnen Gewissheit gibt, dass es eben so sein muss.
            Manche bilden sich noch was drauf ein, dass sie irgendwelche Dogmen runterklappen können. Ja, sind wir denn in der Schule?
            Ich weiß ja nicht, ob Sie, Frau Steffens, schon mal irgendwelche Erfahrungen in Bezug auf die Person eines Papstes gemacht haben. Also: ich nicht und deshalb muss ich ehrlich sagen, gibt mir persönlich das Papstamt nicht viel in Bezug auf eigene Glaubenserfahrungen.
            Der jetzige Papst hält gute Predigten und repräsentiert die Kirche gut, aber irgendwie – ganz persönlich und ichbezogen gesprochen: ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich brauche.

          • Amica sagt:

            Bitte nix falsch verstehen: ich glaube durchaus an Geistliche, die vom Heiligen Geist inspiriert sind. Joseph Ratzinger z. Bs. Aber Papst Benedikt war auch schon als Kardinal bzw. Theologieprofessor so anziehend – also in der Art und Weise wie er formuliert und geschrieben hat. Das kann ich halt irgendwie spüren und mit dem Verstand nachvollziehen.
            Auch die Wandlung der Hostie kann ich als Wahrheit festhalten. Man verändert sich wirklich, wenn man zur Kommunion geht.

            Aber mit dem Papst hatte ich nie Kontakt und versteh einfach nicht, wieso es das Amt gibt, nur weil da in der Bibel steht, dass Jesus auf ihm seine Kirche aufbauen wird und ihm die beiden Schlüssel (zum Lösen und Binden) überreicht hat.
            Ja, alles gut. Aber Petrus ist dann irgendwann gestorben. Wieso soll es tatsächlich eine Nachfolge des Petrusamtes geben? Wieso kann man ausschließen, dass Jesus in der Bibel nicht einfach nur die Person Petrus meinte und sonst niemand anderes? Also: Petrus als Gründerfigur der Kirche meint.

          • Rosi Steffens sagt:

            Man sollte seinen Glauben nicht an einzelnen Personen festmachen sonder mit ihnen gemeinsam erfahren was es bedeutet mit Jesus Christus zu gehen.

            Ehrlich gesagt verstehen ich Ihre Aufregung und Verzweiflung nicht, denn Gott ist unser aller Beistand, gerade in den Zeiten, in denen wir an unserem eigenen Glauben zweifeln, sollten wir zu Gott beten und dabei nicht die Muttergottes vergessen.

            Ein Fürsprecher setzt sich für den Glauben ein, der ihn trägt und nicht für Gott, denn der hat sich bereits als Menschensohn Jesus Christus in uns veräußert.

        • Michael Böhles sagt:

          Die Geschwisterlichkeit ist ja von vornherein durch Jesus begründet! Der “Bischof von Rom” versteht sich als “Petrus-Nachfolger” im Dienst an der Gemeinschaft der “Kirche” (griech./lat. “ekklesia”/”ecclesia” = “Heraus-Gerufene”). Der Petrus-Dienst genügt vollkommen als Legitimation… – und bleibt als Zeichen in der Welt bestehen, auch wenn der Titel “Papst” so keine Verwendung mehr fände… [Übrigens meinte Wladimir Putin, “für die Moral ist der Papst zuständig” – wieso das?!] Recht verstanden sollten also alle Christen – nicht nur die Geweihten – Wegweiser sein hin zu Jesus Christus (einem “Wegweiser” fällt man ja unterwegs auch nicht “um den Hals” und bleibt stehen; man kann sich wohl etwas ausruhen – aber dann geht es weiter hin zum Ziel!)

      • Amica sagt:

        Wissen Sie: Alle reden von “Neuevangelisierung” und fragen sich die Frage aller Fragen in der kat. Kirche: Wie bringen wir die Jungen in den reichen Ländern in die Kirche?
        Na: Mit Hierarchie nicht. Und durch Obere, die eine Karrierelaufbahn hochkraxeln wollen, auch nicht.

        Es gibt junge Leute in der Kirche, ja? Aber analysieren Sie die Gruppe mal. Ein paar kenn ich und ich wage zu behaupten, dass es die Gruppe der Spießer-Jugendlichen ist – die nicht so wirklich authentischen halt und (sorry) leicht “jugendlich-dementen” Mitläufern, die in der Freizeit Helene Fischer hören.

        Die Gruppe, die der Papst, glaub ich, nicht so wirklich mag.

        Nur so eine Ahnung. 😉

      • Amica sagt:

        Also, absoluter Nachtrag: wenn ich einen Satz bilden will, an alle Schichten der Gesellschaft, dann orientiere ich mich doch an den Klügsten, oder?
        Also ich bilde einen Satz eine Message, die für jeden was bedeutet.
        Für die Dummen muss christlich gesehen, “Liebe” drin vorkommen – vielleicht gleich dreimal.
        Für die Mittelbegabten eine Definition, was Liebe ist.
        Und für die sehr Klugen, ein kleiner Nebensatz, der beinhaltet, wieso es sich lohnt, die Liebe zu leben.

        So in etwa.

        Fehler also: die Kirchenleute die neuevangelisieren konzentrieren sich irgendwie nur auf die etwas einfacher gestrickten Jugendlichen, die eh schon Teil der Kirche sind.
        Eigentlich muss man sich aber vermehrt komplex äußern.

        Ein “dreifacher Schriftsinn” der Predigtreden wär sinnvoll.

        Vor lauter eine Kirche für die Armen vergessen wir auch die Reichen (die viel bewirken könnten).

        Das nervt mich.
        Denn Jesu Botschaft ist hochgradig komplex und trotzdem einfach.

        Wieso konzentrieren sich die Neuevangelisierer so sehr auf die Doofen bzw. das Seichte. Hören Sie sich die Songtexte von Jugend 2000 doch mal an.

        So, genug geschimpft. Ich schließe und bin schon wieder genervt von der Volksverblödung. Wissen Sie, ich bin ja auch nicht immer die hellste Kerze, aber so viel Verblödung muss man erst mal ertragen lernen.

        • Michaeel Böhles sagt:

          “Humor ist kein Hindernis für Heiligkeit”, meinte Papst Johannes XXIII. mit Philipp Neri. Deshalb hier einige “Sentenzen” zusätzlich:
          – “Ein Buch vor den Augen verhindert in der Regel ein Brett vor dem Kopf” (Chr. Wulff) – “Jeder ist als Original geboren, und sollte deshalb nicht als Kopie sterben.” – “Mit Jesus von Nazareth bekommen wir nicht das, was wir wollen, sondern den, den wir brauchen.” (Joh. Kuhn) – “Der Preis für ein Grundstück ist dein Geld. Der Preis für eine Perle ist dein Gold. Der Preis für die Liebe bist du selbst.” (Augustinus) – “Kinder sind kleine Engel, deren Flügel umso kürzer werden, je längere Beine sie bekommen.” – “Wer nicht selbst in dem steht, was er redet und tut, überzeugt niemanden” – denn “nur Ergriffene ergreifen…” – “Jede Begegnung von Menschen hinterlässt Spuren.” (Joh.W.v. Goethe)

          • Amica sagt:

            Es scheint ja, als hätten Sie Ahnung:
            Deshalb wüsste ich noch was gerne, hätte noch eine Frage:

            Also, ich hab oben sehr unkatholische Sachen geschrieben. Im Mittelalter wär ich da jetzt wahrscheinlich ein Fall für die Inquisition oder so.

            Wie ist das heutzutage so? In wie weit darf man als Katholik Glaubensinhalten hinterfragen bzw. sogar kritisieren und wo gibt es auch heute noch eine Grenze.

            Die Sache ist ja die: im Islam zum Beispiel muss man alles glauben.
            Wir im Christentum (auch in der katholischen Kirche) dürfen ja auch Glaubensdinge hinterfragen.
            Thomas von Aquin hat das zum Beispiel sehr früh schon gemacht und Joseph Ratzinger ist ja auch ein großer kritischer Geist – eine Art “Kopfchrist”.

            Werden heutzutage nur Leute exkommuniziert, die in der Kirche einen gewissen Stellenwert haben und tatsächlich dazu beitragen können, Irrlehren zu verbreiten?

            Wie sieht das aus?
            Wann wurde eigentlich das letzte Mal jemand in Deutschland exkommuniziert und was musste anstellen?

            Kleine Scherzfrage, obwohl, interessieren tut mich das schon.

            Viele Grüße 😉

  8. 1234556 sagt:

    Danke für den Kommentar!

  9. Michael Hauber sagt:

    Mich hat wundern gemacht, dass die interessierten Kreisen um Erzbischof ihr Hass auf Papst Franziskus so blind gemacht hat, dass sie die von ihnen so vergötterten Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ebenso in den Dreck ziehen, wie sie es mit Papst Franziskus machen. Denn wenn z.B. der Bericht vom Wochenende stimmt, dass bereits 2001 der Vatikan informiert war über die “Umtriebe” McCarricks, dann besteht das Problem, dass der Präfekt der Glaubenskongregation ebenfalls spätestens seit 2001 von Berufs wegen mit der Verfolgung aller strafbarer Verfehlungen von Klerikern gegen das 6. Gebot betraut war.
    Für mich ist diese blinde Wut, die zwar Franziskus schaden WILL, aber faktisch Benedikt in den Dreck zieht, eine Form von Verblendung

  10. Jürgen Hülf sagt:

    Ich sehe es zwar absolut nicht so, dass alle Vorwürfe gegen Papst Franziskus entkräftet wären. Aber der Hinweis auf die Kraft der Stille ist ein guter Gedanke.

  11. Regina Heyder sagt:

    Ich persönlich finde das Schweigen des Papstes schwierig. Ein Sprechen könnte nicht nur im Verteidigen bestehen (da halte ich es für klug, dass Franziskus diesen Weg nicht einschlägt), sondern beispielsweise im Versprechen, alles für die Aufklärung zu tun.
    Dass Franziskus sofort gehandelt hat, als McCarrick glaubhaft der Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen wurde, ist evident. Dass Franziskus ebenso wie seine Vorgänger von sexuellen Übergriffen McCarricks gegenüber Seminaristen und jungen Priestern wusste, ist wahrscheinlich. Auch darin könnte ein Grund für das Schweigen des Papstes liegen: diese Vorwürfe betreffen auch den inzwischen heilig gesprochen Johannes Paul II. und den noch lebenden Vorgänger Benedikt XVI.

  12. Vielen Dank, sehr geehrter Herr Pater Hagenkord, für Ihre Worte. Ich stimme Ihnen zu und sehe im Schweigen des Papstes Franziskus seine innere Grösse. Auch Jesus hat geschwiegen, siehe Mk.15, 3-5: “Die Hohenpriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor. Da wandte sich Pilatus wieder an ihn und fragte: Willst du denn nichts dazu sagen? Sieh doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen. Jesus aber gab keine Antwort mehr, so dass Pilatus sich wunderte.”

  13. Martin M. Lintner sagt:

    Vielen Dank für diese tiefsinnigen Überlegungungen! Ich stimme Ihnen ganz zu!

  14. Peter Lenschen sagt:

    Wir gehen immer von unseren menschlichen Gedanken in Bezug Erfahrung, Sozialisierung und subjektiven emotionalen Anspannungen aus. Wie weit kann ein Mensch denn blicken, gibt es etwas das ihn vollständig macht hinsichtlich Beurteilung und Verurteilung, wenn ja: der werfe den ersten Stein. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege , spricht der Herr (Jesaja 55). Wie schwer sind für mich Gott deine Gedanken, wie ist ihre Anzahl so groß, wollte ich Sie zählen wären sie mehr als der Sand, am Ende bin ich immer noch bei Dir (Psalm 139). Ist mein Glaube aber schwach verliere ich mich im weltlichen Geist der Rechtfertigung und der Anklage des Widersachers. Gott richtet und handelt, dies ist mir Genüge in meinem Geist der Demut, Schweigens und Gebets. Im heiligen Geist erfüllt sich mein Herz in Freude, Erkenntniss und Weisheit, ohne meine eigene Eitelkeit einzulassen. Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel…. deshalb überlasse ich es der Kraft der Stille im Herrn, wohlwissend das er es zum Guten führt

  15. Christa sagt:

    DANKE, lieber P. Hagenkord, für Ihren überaus hilfreichen Kommentar! Es trifft zu, dass Gebet, Stille und Schweigen in solch schweren Krisenzeiten die besten Ratgeber sind und die inneren Kräfte stärken. Papst Franziskus gibt uns auch darin – wie in vielen anderen seiner wertvollen geistlichen Äußerungen – ein Beispiel für unser eigenes Verhalten in schwierigen Lebenssituationen. Ich bete täglich bewusst für ihn, dass er Gottes Nähe, Liebe und den begleitenden Geist Gottes spürbar erfahren darf.

    Liebe Grüße und Gottes Segen! Christa

  16. Erika K. sagt:

    Dass der Papst während dieser elenden Schlammschlacht schweigt, kann ich nachvollziehen und halte es für klug. Den “Anklägern” geht es ja auch gar nicht um die Opfer von Klerikern – sie benutzen die Opfer im Grunde nur als “Aufhänger” für ihre eigenen Interessen. Benutzt-Werden ist Opfern etwas sehr Vertrautes – und es ist entwürdigend.
    Aber das Schweigen des Papstes darf nicht andauern, denn sonst hieße seine Botschaft an die Opfer: “Ihr seid nicht der Rede wert.” Die Vorgänge müssen also in absehbarer Zeit geklärt UND transparent gemacht werden, wenn meine Kirche wieder ein wenig Glaubwürdigkeit gewinnen will.
    Dem Papst traue ich zu, dass er – mühsam wie jeder Mensch – in der Lage ist, auch eigene Fehler zu sehen und öffentlich einzugestehen. Anhaltendes Schweigen und anhaltende Intransparenz schaden letztlich der Kirche, zu der auch die meisten der kirchlichen Opfer gehören.

  17. Oskar Meffert sagt:

    Ich bete, bleibe(n Sie) stsrk und lass(en Sie sich)
    Dich nicht von Bosheit treiben,

  18. Christoph Keel, Schweiz sagt:

    Der Vatikan hätte erst dieses Jahr von den Missbrauchsvorwürfen von Mc Carrick gewusst… das ist nachweislich falsch. Ich empfinde es schlichtweg als ein Missbrauch der Religion, ein solches Vorgehen geistlich überhöht zu deuten.

  19. Schwester Irmgard sagt:

    Ich stimme dem Artikel von Peter Hagenkord voll und ganz zu. ” FRanziskus lebt uns vor, was geistliches christliches Leben bedeutet
    nach dem Vorbild Jesus. Mk 15.60.61 ” Schweigen, um Gott Raum zu geben.”

  20. benoit sagt:

    “Alle Vorwürfe gegen ihn sind ausführlich auseinander genommen worden und keiner hält stand.”

    Das stimmt so nicht. All jene die das Schreiben von Vigano kritisieren, kritisieren den Verfasser als Person, die nicht seriös ist, nicht konsequent war und z.B trotzdem Lobreden auf McCarrick hielt. Der konkrete Vorwurf lautet und ist noch immer NICHT widerlegt: Wusste Papst Franziskus schon 2013 von den Vorwürfen gegenüber McCarrick, dass er Seminaristen missbrauchte? Wie ist er mit diesem Wissen umgegangen?

    “Die ersten Vorwürfe von Kindes-Missbrauch gegen McCarrick haben den Vatikan in diesem Jahr erreicht, und es wurde sehr schnell gehandelt”

    Das bestreitet auch keiner, aber man merkt, dass Sie Ihren Job gut gelernt haben. Es geht hier überhaupt nicht um die Vorwürfe des Kindes-Missbrauch, sondern um den Missbrauch von Seminaristen durch McCarrick. Und da können die Seminaristen von mir aus auch volljährig gewesen sein und vielleicht teilweise selber homosexuell veranlagt und man kann vielleicht sogar teilweise von “mutual consent” sprechen, aber was man übersieht ist das Machtgefälle Kardinal-Seminarist, in so einer Situation spricht man von Machtmissbrauch. Und jeder der das einmal am eigenen Leib erfahren hat, weis wie sich das anfühlt und was in so einer Situation der “mutual consent” ist, d.h wie frei man ist NEIN zu sagen!

    Und es sind gerade auch der enge Kreis um Franziskus (Cupich,Maradiaga,Ivereigh etc.) die sehr lautstark und unsachlich die Unterstützer von Vigano und Viganos selbst kritisieren. Dazu lese man auch den jüngsten Artikel von Prof. Hoping in der Tagespost. Diese Leute sollten mal lieber schweigen, da sie dadurch ihr wahres Gesicht zeigen, genau wie auch jene, die den Rücktritt des Papstes fordern, was mich stark an die Ermordung G.I. Caesars erinnert, wo man nur darauf gewartet hat bis man das Schwert zücken kann.
    Außerdem hat Papst Franziskus schon zur Familliensynode von einer “weltweiten Unterscheidung” gesprochen und ich hatte die Hoffnung er werde dadurch all jene Opportunisten, Karrieristen und Schleimer zumindest aus seinem Umfeld schaffen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Pardon, aber Vorwürfe müssen nicht widerlegt, sondern bewiesen werden. Und: die Hauptbehauptung – dass es unter Papst Benedikt Sanktionen gegeben habe, die Franziskus aufgehoben habe – stellt sich als reine Behauptung heraus. Keiner sonst weiß davon.

      • benoit sagt:

        1. Möchte ich danken, dass mein Kommentar überhaupt erschienen ist.Das zeugt von echter Katholizität!
        2. mir leuchtet der Unterschied zwischen widerlegen und beweisen nicht ganz ein. dazu bin ich wohl zu einfach gestrickt. Und außerdem pocht Pentin darauf, dass die Benedikt nahestehende Quelle die Sanktionen (wohl eher “privater” Art”) bestätigt hat. Das “Gänswein Dementi” bezog sich nur auf das gesamte Dossier von Vigano und der behauptetetn Kentnissnahme durch Benedikt.
        3. Die Hauptbehauptung sehe ich darin, dass laut Vigano Papst Franziskus bereits 2013 von den Problemen des ex-Kardinals wusste und er ihn spätestens dann hätte sanktionieren müssen bzw. eine Untersuchung anordnen müssen v.a auch was seinen Einfluss auf die US Kirche anging. Ich frage mich: warum wurde hier nicht so schnell wie gegen O´Brien gehandelt? Das war doch das gleiche Theater. Oder war man “milde” nur weil McCarrick nicht mehr wahlberechtigt war? Er hat selbst vor laufender Kamera zugegeben dass er Bergoglio im Konklave unterstüzt hat nachdem ein “einflussreicher, italienischer gentleman” ihn nach Bergoglios Chancen fragte.Außerdem kannte er ihn schon aus Buenos Aires und hat ihn dort besucht und nannte ihn seinen “Freund”.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Das meiste – wer hier wessen Freund war – beruht bei genauerem Hinsehen auf Hörensagen oder Vermutungen. Das ist alles nicht sehr belastbar. Aber der Unterschied zwischen Widerlegen und Beweisen ist doch eindeutig, da liegt unser Prinzip der Bringschuld: Wer anklagt, muss beweisen. Schuld muss bewiesen werden, nicht Unschuld. Sonst könnte ja jeder alles behaupten und dann fordern, man möge jetzt das Gegenteil beweisen!
          Zu den Vorwürfen: “Sanktionen privater Art”, was soll das sein? Es gab Auftritte McCarricks hier im Vatikan, zur Amtszeit von Papst Benedikt XVI. Wenn es Sanktionen gegeben haben sollte, dann hätte sich niemand drum gekümmert. Auch Papst Benedikt nicht. Was ich mir nicht vorstellen kann. Hier sehen Sie, dass Viganò auch Benedikt XVI. sehr deutlich angreift, ohne seinen Namen zu nennen.
          “Pentin behauptet”: Man muss hier schon genauer hinsehen, aus welcher Quelle welche Information kommt. Außer Hörensagen habe ich von der Klage-Seite noch nichts gehört.

          • Michael Böhles sagt:

            … aus polizeiseelsorgerlicher Sicht: Unschuld wird nur so lange “vermutet”, als nicht eindeutige Alibis sie bestätigen… (< also "beweisen", dass man unschuldig ist). "Der Schlaue spricht, und seine Worte sind nicht Träger des Gedankens, sondern dessen Verschleierung; sie lassen das Wahre als falsch und das Falsche als wahr erscheinen. Der Schlaue hat manchmal Erfolg. Für gewöhnlich aber hält die Sache nicht an. Im Pelzwarengeschäft landen mehr Fuchs- als Eselsfelle. Machen die Gerissenen eine Prozession, geht der Teufel mit dem Kreuz voran." (Albino Luciani = Johannes Paul I., in: "Ihr sehr ergebener…"
            – S.44)

      • Alexandra Peters sagt:

        “an den Haaren herbei gezogene Vorwürfe werden als Tatsachen unhinterfragt wiederholt”

        Darf ich Ihre Aussage auch als Behauptung verstehen, die es zu beweisen gälte? Ich meine damit vor allem, dass die Vorwürfe “an den Haaren herbei gezogen” wurden.

        Auch wenn seine Rücktrittsforderung massiv überzogen gewesen sein mag. Erzbischof Vigano ist ein Mensch, der als solcher zunächst einmal den gleichen Respekt wie jeder andere verdient. Ihm, der bis vor einem Monat laut Aussagen namhafter Personen als absolut zuverlässiger und treuer Diener galt, zu unterstellen, er würde Behauptungen an den Haaren herbeiziehen, ist schon ein ziemlich starkes Stück (noch dazu, da Menschen wie Msgr. Lantheaume und teilweise auch Fr. Ramsey seine Darstellungen bestätigt haben).

        • Pater Hagenkord sagt:

          Der neue Substitut muss mit Maradiaga unter einer Decke stecken, schließlich habe er in Honduras gearbeitet. Das ist eine Behauptung, die nur als “an den Haaren herbei gezogen” bezeichnet werden kann. Dass er dann noch – unbewiesene Dinge anführt, die er in seiner Aufgabe über diesen gehört habe, macht es nicht besser. Mittlerweile muss man auch die Behauptung, es habe Sanktionen gegen McCarrick gegeben, in Zweifel ziehen. Niemand scheint die zu kennen. Drittens: Wenn Beweise auf Sätze wie “es sei folglich sehr wahrscheinlich” bauen, oder Sätze fallen wie “War die Ernennung McCarricks nach Washington und zum Kardinal ein Werk Sodanos, als Johannes Paul II. bereits sehr krank war? Es ist uns nicht gegeben, das zu wissen. Es ist jedoch zulässig, dies anzunehmen.”, dann ist es berechtigt, das so zu bezeichnen wie ich es getan habe.

      • Michael Böhles, P. Mag.theol. CSSo sagt:

        “Si tacuisses, Philosophus mansisses…” ??? (Oswald von Nell-Breuning läßt grüßen!)

        • Pater Hagenkord sagt:

          Das ist jetzt wieder so ein Kommentar, mit dem keiner was anfangen kann. Bitte beteiligen, einfach nur mit Sätzen um sich werfen und hoffen, die Ironie werde schon irgendwie ankommen (sollte es sich in diesem Fall um Ironie handeln), verfängt irgendwie nicht.

  21. Stefan P.L. sagt:

    Lieber Pater Hagenkord. Ich sage danke für ihren Beitrag, dafür, dass sich überhaupt einmal jemand vom Vatikan zu den Ungeheulichkeiten äußert, seies auch nur um das Schweigen des Papstes zu erläutern. Das Schweigen sollte genutzt werden um Gott Raum zu geben, auf jeden Fall. Aber irgendwann müssen dann aber auch Taten folgen. Z.Zt. empfinden die meisten Katholiken ein starkes “Unwohlsein”. Es könnte sein, dass das Schweigen irgendwann die Opfer verhöhnt. Ich erhoffe mir nun nach ihrem Beitrag keine Worte aber Taten. Könnte es sein, dass die Wurzel des Bösen in (manschen) Prieserseminaren wächst?

  22. Micaela Riepe sagt:

    Tja, wie immer.

  23. Guido Schröer sagt:

    Guter Beitrag! Es ist gut zu wissen, wann man redet, was man redet, wie man redet und wann man schweigt.

  24. Emma sagt:

    Das Schweigen, d.h. sich nicht zeigen und sich verstecken, im Zusammenhang mit Sexualdelikten finde ich auch immer spannend! Man erinnere sich an Gen 3,8-9. Und noch gespannter bin ich jetzt auf die Antworten und Erklärungen!

  25. Elasund sagt:

    ‘Wenn er doch schweigen würde!’ dachte ich mir als ich gerade die Predigtausschnitte vom Papst an diesem Dienstag in der Casa Santa Marta bei der Frühmesse las.

  26. Elasund sagt:

    Ich glaube, dass die Kirche inzwischen bei den eindeutigen Fällen von Missbrauch von Kindern auf einem guten Weg ist. Der Fall McCarrick betrifft aber auch ein weiteres Thema. Wie ist es mit einvernehmlichem Sex an dem ein Kleriker beteiligt ist? Was ist mit jungen Erwachsenen? Was ist mit Seminaristen? Es mag bei McCarrick ein gewisses Machtgefälle bestanden haben, gleichwohl war es eben Sex zwischen erwachsenen Männern. Und hier – glaube ich – besteht in der Kirche keine Einigkeit über die Beurteilung und das erforderliche Vorgehen. – Ich habe mir von einem Theologen erklären lassen, dass verborgene Vergehen laut Kirchenrecht nicht öffentlich bestraft werden dürfen. So sei es also durchaus plausibel, dass es Sanktionen vom Papst gegen McCarrick gegeben hat die nicht öffentlich waren. — Also die Frage lautet: Was gehört in den Beichtstuhl mit einer 2. 3. oder 10. Chance und wann verliert ein Kleriker sein Amt? Mir jedenfalls ist nicht klar wie die katholische Kirche das sieht.

  27. Stefan Rehder sagt:

    Danke!!! Für diesen erhellenden und erleuchteten Text.

  28. Pingback: Nochmals Hagenkord

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